Nell Zink und der Kleine Vogelhei

Nicht nur die Hei-Trophäe war in diesem Jahr vom Prachtkleid des Mauerläufers inspiriert – es tschilpte und flatterte gewaltig an diesem Preisabend. Vielleicht ein literarischer Balzflug, jedenfalls nicht scheu und zurückgezogen, sondern prominent extravagant. Danke, Nell Zink.

Fotos: Michael Lüder

Spontanbesuch im Literaturladen: Alexander Kluge

Auf dem Weg nach Babelsberg zur Verleihung des diesjährigen DADA-Preises – stand plötzlich Alexander Kluge im Literaturladen. Nach einem kurzen Gespräch war uns dreien der Wunsch nach einer gemeinsamen Lesung in den Köpfen. Kluge: „Am besten sofort, ja. Damit ich behaupten kann, dass auch ich in Ihrem Laden gelesen habe.“

Fotos: Michael Lüder

Buchempfehlung: Hannah Arendt „Schreib doch mal ‚hard facts‘ über dich“

Zwei Philosophen in Nowawes

Der Briefwechsel zwischen Hannah Arendt und Günther Anders

von Mathias Iven

Am 26. September 1929 gaben sie sich im Standesamt von Nowawes, dem heutigen Kulturhaus Babelsberg, das Jawort. Die Rede ist von Hannah Arendt und Günther Stern, der seit Anfang der dreißiger Jahre seine Artikel unter dem heute bekannteren Namen „Günther Anders“ veröffentlichte. Nur wenige Wochen zuvor hatten die beiden eine kleine Wohnung in der damals zu Nowawes gehörenden Merkurstraße bezogen. Bereits im Frühjahr 1930 übersiedelte das Paar nach Frankfurt am Main, später zogen sie nach Berlin. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierten sie nach Paris.

Acht Jahre lang waren sie verheiratet. Im September 1937 – Anders lebte inzwischen in den USA – wurde die Ehe aufgehoben. In den Unterlagen dazu findet sich die lapidare Bemerkung: „Durch das am 8. September 1937 rechtskräftig gewordene Urteil des Landgerichts in Berlin ist die Ehe zwischen Günt[h]er Siegmund Stern und der Johanna Stern, geborene Arendt geschieden worden.“ Weiterlesen

Christoph Ransmayr las aus seinem neuen Roman „Cox Oder der Lauf der Zeit“

Donnerstag, 10. November 2016, Potsdam, Villa Quandt: Der gegenwärtig sprachmächtigste Autor der Literaturwelt betritt die Bühne – Christoph Ransmayr. Was für ein Fest der Sprache!

Fotos: Michael Lüder

Peter Stamm war im Literaturladen zu Gast

 

Fotos: Michael Lüder

Paula Fürstenbergs Heimspiel im Literaturladen

Gedrängel im Vorfeld, nervöses Stühlerücken. Ausverkaufte Lesung vor heimischem Publikum. Im Fußballjargon heißt ein solcher Abend: Heimsieg.

Fotos: Othmar Kaufmann

Saisoneröffnung mit Judith Hermann

Die Herbstsaison des Blauen Salons begann mit einem Höhepunkt. Ein Spätsommerabend mit Judith Hermann, was gibt es besondereres!

Fotos: Harald Hirsch

Buchempfehlung: Connie Palmen „Du sagst es“

Maximalpulsliteratur!

von Carsten Wist

Als Sylvia Plath sich 1963 das Leben nahm, gerade einmal 40 Jahre alt, war mit ihrem Ehemann Ted Hughes für viele der Schuldige schnell gefunden. Die Nachwelt, die Biographen Sylvia Plaths und die Literaturweltdeuter bestätigten später das Soforturteil und machten Ted Hughes zum Sündenbock, zum ehebrecherischen Lügner und heuchlerischen Verräter, zum Mörder eines Genies. Sylvia Plath wurde ikonisch verehrt, Ted Hughes verdammt. Er hat dazu geschwiegen, bis zu seinem Tod 1998. Und nun geht die niederländische Autorin Connie Palmen das große Wagnis ein, die fiktive Autobiographie Ted Hughes zu schreiben. Sie gibt ihm eine Erzählstimme, zwingt ihn, endlich ICH zu sagen und damit von seinem Leben mit Sylvia Plath zu erzählen. Das hat so eine Kraft, ist hochdramatisch, Maximalpulsliteraur, hingeworfenach, was sag ich hingeknallt, diese unglaublich starken Sätze, diese klug-weitsichtigen Reflexionen, diese exzessive Liebes-Todes-Passion.


1956 lernt der Engländer Ted Hughes die Amerikanerin Sylvia Plath kennen, sie erbeuten einander, sie küßt nicht, sie beißt, sie fallen übereinander her, wild, gefährlich, ein Liebesduell. Sie ist es. Für ihn. Dieses Gefäß voll Gift, dieser Tanz mit der Rachegöttin, dieser Liebe- und Haß-Reigen. Zwei Künstlerseelen, denen Schreiben mehr bedeutet als Leben, zuerst die Bücher und Ruhm, dann Baby und Steaks ist ihr Motto. Schnell geheiratet. Das amerikanische Frauchen Sylvia und der gefeierte englische Dichter. Sie holt schreibend auf. Sie werden das Liebespaar der modernen Literatur, von der Öffentlichkeit beobachtend seziert. Doch hinter den geschlossenen Türen, in den Köpfen der beiden brodelt es. Die Angst schreibend zu versagen ist groß, Sylvia trägt an dem frühen Tod ihres Vaters schwer, ein früher Selbstmordversuch scheitert, ihr Wunsch zu ihm zu wollen ist immer vorhanden. Das Verhältnis zu ihrer dominanten Mutter ist fragil. Sylvia Plath ist von Angstattacken getrieben, sie hat Depressionen, ist von Dämonen besetzt. Das Paar versucht sich gegenseitig zu stützen, ein Kampf um Halt, doch sie stürzen, stehen wieder auf. 6 Jahre Ehe, zwei Kinder. Am Ende ist viel zerschlagen, verstümmelt und verkrüppelt. Und als die eh hochgradig Eifersüchtige von seiner Affäre erfährt, trennen sie sich. Obwohl sie wieder in die Lebensbalance zu kommen scheint, nimmt sie sich wenig später den Tod.
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Buchempfehlung: André Kubiczek „Skizze eines Sommers“

Ran an die Platten von Damals!

von Carsten Wist

André Kubiczek macht erneut seinen Geburtsort Potsdam zu einem literarischen Ort. Diesmal ist es jedoch nicht „Das fabelhafte Jahr der Anarchie“ 1990, sondern der Autor geht zurück in das Jahr 1985. Es ist Sommer. “Skizze eines Sommers“, so heißt Kubiczeks Roman, ist jedoch weit mehr als eine hingeworfene Skizze, es ist ein großformatiges Sittenbild von fast 400 Seiten geworden.
Kubiczek hat mit dem Ich-Erzähler Rene eine so sympathisch-anarchische Figur entwickelt, dass diese Zeit vor 30 Jahren wieder enorm lebendig wird. Rene wohnt im Neubaugebiet am Stern, zur Mittwochsdisco geht man ins „Orion“, durch die Stadt fährt man mit Tatra-Straßenbahnen, man raucht „Club“, zum Trinken geht man in die „Seerose“. Aber meistens hängen Rene und seine Freunde Michael, Mario und Dirk im verschrieenen magisch-mythischen „Cafe Heider“ ab, dieser asozial subversiven Spelunke. Die Schule kriegen sie irgendwie hin, in den Sülz- und Schwafelfächern fliegen sie mit viel Ironie unter dem Lehrerradar durch und ihre Eltern wissen nicht so genau, wie die Kids so drauf sind, sie verdrehen die Augen ob der auffälligen Klamotten und der lauten Musik. Apropos Musik, die einzelnen Romanteile beginnen mit Zitaten von Bands wie „Prefab Sprout“ oder „Simple Minds“. Rene hat einen Doppelkassettenrekorder im Dauereinsatz. Doch dann sind da ja noch die Bücher, viel mehr die Helden, die verschrobenen, die angebeteten, die dekadenten Autoren von Baudelaire, über Rimbaud bis Verlaine. Es lebe die Melancholie, es lebe die Dekadenz! So denken, so schreiben können, so aussehen, so leben – das wollten sie. In der DDR?!

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Von Jon Fosse

Betreff:
Von: Jon Fosse
Datum: 21.06.2016 06:02
An: info@wist-derliteraturladen.de

Dear Carsten Wist and Felix Palent
Thank you very much for your kind, and dare I say, wise words! It is difficult for me to see the closeness to nature, and the quietness, in my writing, but I really hope you are right.

To take care of myself (in a way) I for some years have completely stopped travelling to do readings, interview on stage, to opening-nights. This was a wise decision, I am sure about, and I stick to it. So I am sorry: I will not come to your Fosse-evening. But I am sure that Hinrich, who knows my writing (and even me) very well, will represent me in the best way possible.

Hinrich is so to say my German voice, and his voice is crucial to the experience of my writing in German.
I am both thankful and honoured by you words and your invitation, so I feel a bit shamed not to accept it, but I hope for your understanding: after some twenty years of intensive travelling, the wisest I could do was to stop travelling.
All the best,
Jon Fosse