Die Lesungen im Herbst 2016

Hervorgehoben

Die Lesungen im Herbst 2016

12. September | 19 Uhr
Lesung eXtra
Judith Hermann „Lettipark“ 

15. September | 19 Uhr | Stadt- und Landesbibliothek
Literaturladen on Tour
Erwin Berner liest „Erinnerungen an Schulzenhof“

19. September | 19 Uhr
Blauer Salon
Freie Vision Neugier

22. September | 18 Uhr | Potsdam Museum
Literaturladen on Tour
Gericault, Gaudi und Picasso: Bildbeschreibungen in Peter Weiss‘ Roman „Die Ästhetik des Widerstands“

26. September | 19 Uhr
Lesung eXtra
Shida Bazyar „Nachts ist es leise in Teheran“

Dienstag,
04. Oktober | 19 Uhr
Blauer Salon | THEATER THEATER
Ein Abend für Jon Fosse

Zu Gast: Seine deutsche Stimme Hinrich Schmidt-Henkel

10. Oktober | 19 Uhr
Blauer Salon | SCHÖN VERLEGEN
Ein Abend mit dem Verleger Sebastian Guggolz

17. Oktober | 19 Uhr
Lesung eXtra
Paula Fürstenberg „Familie der geflügelten Tiger“

24. Oktober | 19 Uhr
Blauer Salon | PAPIERFRIEDHOF
Ein Abend zur Frankfurter Buchmesse

07. November | 19 Uhr
Lesung eXtra
Peter Stamm „Weit über das Land“

10. November | 20 Uhr | Villa Quandt
Literaturladen on Tour
Christoph Ransmayr „Cox oder der Lauf der Zeit“

14. November | 19 Uhr
Lesung eXtra
Saskia de Coster „Wir und ich“

21. November | 19 Uhr
Blauer Salon | SCHWERGEWICHTE
Ein Abend zu Cormac McCarthys „Border“-Trilogie

23. November | 20 Uhr | Villa Quandt
Literaturladen on Tour
Szczepan Twardoch „Drach“

28. November | 19 Uhr
Lesung eXtra
Katerina Poladjan & Henning Fritsch „Hinter Sibirien“

5. Dezember | 19 Uhr
Preisverleihung und Lesung
DER KLEINE HEI

Buchempfehlung: André Kubiczek „Skizze eines Sommers“

Ran an die Platten von Damals!

von Carsten Wist

André Kubiczek macht erneut seinen Geburtsort Potsdam zu einem literarischen Ort. Diesmal ist es jedoch nicht „Das fabelhafte Jahr der Anarchie“ 1990, sondern der Autor geht zurück in das Jahr 1985. Es ist Sommer. “Skizze eines Sommers“, so heißt Kubiczeks Roman, ist jedoch weit mehr als eine hingeworfene Skizze, es ist ein großformatiges Sittenbild von fast 400 Seiten geworden.
Kubiczek hat mit dem Ich-Erzähler Rene eine so sympathisch-anarchische Figur entwickelt, dass diese Zeit vor 30 Jahren wieder enorm lebendig wird. Rene wohnt im Neubaugebiet am Stern, zur Mittwochsdisco geht man ins „Orion“, durch die Stadt fährt man mit Tatra-Straßenbahnen, man raucht „Club“, zum Trinken geht man in die „Seerose“. Aber meistens hängen Rene und seine Freunde Michael, Mario und Dirk im verschrieenen magisch-mythischen „Cafe Heider“ ab, dieser asozial subversiven Spelunke. Die Schule kriegen sie irgendwie hin, in den Sülz- und Schwafelfächern fliegen sie mit viel Ironie unter dem Lehrerradar durch und ihre Eltern wissen nicht so genau, wie die Kids so drauf sind, sie verdrehen die Augen ob der auffälligen Klamotten und der lauten Musik. Apropos Musik, die einzelnen Romanteile beginnen mit Zitaten von Bands wie „Prefab Sprout“ oder „Simple Minds“. Rene hat einen Doppelkassettenrekorder im Dauereinsatz. Doch dann sind da ja noch die Bücher, viel mehr die Helden, die verschrobenen, die angebeteten, die dekadenten Autoren von Baudelaire, über Rimbaud bis Verlaine. Es lebe die Melancholie, es lebe die Dekadenz! So denken, so schreiben können, so aussehen, so leben – das wollten sie. In der DDR?!

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Von Jon Fosse

Betreff:
Von: Jon Fosse
Datum: 21.06.2016 06:02
An: info@wist-derliteraturladen.de

Dear Carsten Wist and Felix Palent
Thank you very much for your kind, and dare I say, wise words! It is difficult for me to see the closeness to nature, and the quietness, in my writing, but I really hope you are right.

To take care of myself (in a way) I for some years have completely stopped travelling to do readings, interview on stage, to opening-nights. This was a wise decision, I am sure about, and I stick to it. So I am sorry: I will not come to your Fosse-evening. But I am sure that Hinrich, who knows my writing (and even me) very well, will represent me in the best way possible.

Hinrich is so to say my German voice, and his voice is crucial to the experience of my writing in German.
I am both thankful and honoured by you words and your invitation, so I feel a bit shamed not to accept it, but I hope for your understanding: after some twenty years of intensive travelling, the wisest I could do was to stop travelling.
All the best,
Jon Fosse

Ein Brief an Jon Fosse

Wist – Der Literaturladen
Dortustraße 17
14467 Potsdam

An
Jon Fosse

Potsdam, den 20. Juni 2016

Lieber Jon Fosse,

wir haben das Paket mit Ihrem neuen Buch Trilogie ausgepackt und unverzüglich den Spagat versucht: so schnell und gleichzeitig so intensiv wie möglich diese neuen Texte nicht nur zu lesen, sie auch zu genießen. Im Ergebnis steht nun Ihr neues Buch ganz vorn in unserem Literaturladen. Einem Ort, an dem sich Leser und Autoren begegnen, an dem ein neues Buch von Ihnen als eines der großen Ereignisse gefeiert wird! Wir sind zwei Literaturenthusiasten, die aus Überzeugung und Leselust die Lebendigkeit der Literatur pflegen.

Und Fosse lesen gehört für uns zum Gepflegtesten, was sich der lesende Menschen gönnen kann. Eine solche schlichte Eleganz spricht aus Ihren Texten, die im Grunde nur mit der einfachen Schönheit der Natur zu vergleichen ist. So tröstlich und beruhigend wie ein Blick in eine Landschaft, so ist es auch Ihre Literatur zu lesen. Sie strahlt eine so starke Ruhe aus, die uns Leser mit dem verbindet, was gemeinhin „Leben“ genannt wird.

Lieber Herr Fosse, obwohl wir um Ihre Zurückgezogenheit wissen, möchten wir es doch nicht versäumen, Sie einzuladen. Allein um Sie wissen zu lassen, dass wir Sie lesen, dass hier in Potsdam ein Literaturladen existiert, dem das Erscheinen eines neuen Buches von Jon Fosse ein Fest ist.

Zum 4. Oktober haben wir Ihren Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkel eingeladen. Mit ihm gemeinsam möchten wir einen Jon Fosse-Abend feiern, über ihre Prosa, Stücke und Gedichte sprechen und sie lesen. Es wird eine Feier der konzentrierten Literatur, ein Fest der Worte, der rhythmisierten Stille.

Bitte betrachten Sie dies sowohl als eine ständige Einladung in den Literaturladen, als auch als Lesebekenntnis: Wir lesen Fosse!

Mit freundlichen literarischen Grüßen,

Carsten Wist & Felix Palent

 

Buchempfehlung: Eckart Kröplins Wagner-Chronik

Richard Wagner in Potsdam

von Mathias Iven

Ja, er war tatsächlich in unserer Stadt. Auch wenn man fairerweise sagen muss, dass sein Besuch nicht den von ihm erhofften Erfolg hatte. Doch der Reihe nach.

Die Villa Tieck in der Schopenhauerstraße

Ludwig Tieck, ein extrem produktiver Autor, der in seinem 50. Lebensjahr bereits auf eine 28-bändige Ausgabe seiner Werke verweisen konnte, kam 1842 auf Einladung von Friedrich Wilhelm IV. nach Berlin. Nach mehr als zwei Jahrzehnten in Dresden bezog der „König der Romantik“, wie er respektvoll genannt wurde, in seiner Geburtsstadt repräsentative Räume in der Friedrichstraße und wurde vom preußischen König mit einem großzügigen Gehalt ausgestattet. Für die Sommermonate stellte man ihm die nach Entwürfen von Ludwig Persius 1845/46 umgestaltete Villa in der heutigen Schopenhauerstraße 24 in Potsdam zur Verfügung. Einzige Bedingung: Tieck hatte zur Unterhaltung des Königs im Theater des Neuen Palais den einen oder anderen Schauspielklassiker zu inszenieren.

Auch Richard Wagner konnte sich der Anziehungskraft der preußischen Hauptstadt nicht verschließen. Im Herbst 1847 blickte er auf eine fünfjährige, von Spannungen begleitete Tätigkeit als Königlich-Sächsischer Kapellmeister am Dresdener Hof zurück. Er suchte nach einer neuen Herausforderung und hoffte, sein zukünftiges Tätigkeitsfeld in Berlin zu finden. Die dort geplante Aufführung seines „Rienzi“ sollte die Eintrittskarte sein, schließlich hatte ihm diese Oper 1842 zum musikalischen Durchbruch verholfen. Doch der ansonsten so kunstsinnige Friedrich Wilhelm IV. schien an Wagner und dessen Musik keinerlei Interesse zu haben. Weiterlesen

Stewart O’Nan war im Waschhaus zu Gast

Gemeinsam mit der Moderatorin Sigrid Löffler und der deutschen Stimme K.Dieter Klebsch stellte Stewart O’Nan seinen neuen Roman „Westlich des Sunset“ im Waschhaus vor.

Fotos: Michael Lüder

Roland Schimmelpfennig – Theater und Roman

Noch ein Nachschlag: Der erfolgreichste zeitgenössische deutsche Theaterautor, Roland Schimmelpfennig, stellte am 4. April, einem „deutlichen, frühlingswarmen Aprilabend“  seinen ersten Roman „An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts“ vor. Impressionen eines sehr enspannten Theater- und Literaturabends

Michael Eberth, Schwierige Einheit

Einheit ist eine schwierige, eine delikate Agenda, zumal auf dem Boden des Theaters. Der Dramaturg Michael Eberth hat seine Theatertagebücher 1991 – 1996 unter dem Titel „Einheit“ veröffentlicht. Die Schocks des Encounters des „Westdramaturgen“ mit dem Ensemble des Deutschen Theaters unter Thomas Langhoff sind auch 20 Jahre im Disput Michael Eberths mit der Schauspielerin Jutta Wachowiak spürbar. Ein denkwürdiger „Theaterabend“ am 18. April in Wist – Der Literaturladen.

P.S. Dass dieser „Nachschlag“ so lange auf sich warten ließ, verdankt sich meinem Upgrade von meinem alten Mac zu einem neuen. Meine schöne Routine bei Imovie funktionierte nicht mehr angesichts der vielen „Verbesserungen“ der Software mit neuen und anderen Benutzeroberflächen. Der Widerstand ist weniger mentaler Natur als psychologischer. Ich wäre liebend gerne bei dem geblieben, was sich so schön bewährt hatte. In ein paar Monaten wird es eine neue schöne Routine geben.

Buchempfehlung: Efrat Gal-Ed über Itzik Manger

Wie Schlangen laufen Schienen in die Welt hinaus …“

von Mathias Iven

so heißt es gleich zu Beginn von Itzik Mangers „Ballade meiner Kindheit“. Eine revidierte und erweiterte Neuausgabe seiner Gedichte ist soeben erschienen und lädt dazu ein, einen der größten jiddischen Dichter zu entdecken …

Gal-Ed, NiemandsspracheManger, Dunkelgold

Mehr als ein Jahrzehnt hat die als Malerin und Autorin in Köln lebende und an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf lehrende Efrat Gal-Ed an einem Buch über ihn gearbeitet. Zwar spricht Gal-Ed bescheiden von einem „ersten Versuch einer kritischen Biographie“, doch die vor allem auf zahlreichen bisher unzugänglichen Dokumenten beruhende, mit fast 800 Seiten monumental zu nennende Darstellung wird wohl lange Zeit als Standardwerk zu gelten haben. Weiterlesen

Roland Schimmelpfennig war im Literaturladen zu Gast

An einem deutlichen, frühlingswarmen Aprilabend zu Beginn des 21. Jahrhunderts…

Fotos: Michael Lüder