Lesung eXtra: Stewart O’Nan „Westlich des Sunset“

Lesung eXtra

Stewart O’Nan „Westlich des Sunset“
Moderation: Sigrid Löffler
Es liest: Klaus-Dieter Klebsch
Freitag, 03. Juni 2016, 20 Uhr
Ort: Waschhaus

Es sind die wilden 1920er Jahre in Hollywood: ausschweifende Partys, heiße Tänze, der Alkohol fließt in Strömen, der nächste Drogenrausch ist nicht weit und der Schriftsteller F. Scott Fitzgerald mittendrin. Doch auch in der Traumfabrik ist nichts für die Ewigkeit – auf steile Karrieren folgen ebenso steile Abstürze. Stewart O’Nan hat die letzte Phase des so kurzen Lebens des Schriftstellers in lebendige Bilder umgesetzt und sich in die Charaktere einer pompösen Zeit versetzt, ohne die dunkelsten Winkel der Traumwelt Hollywood auszusparen.

Roland Schimmelpfennig – Theater und Roman

Noch ein Nachschlag: Der erfolgreichste zeitgenössische deutsche Theaterautor, Roland Schimmelpfennig, stellte am 4. April, einem „deutlichen, frühlingswarmen Aprilabend“  seinen ersten Roman „An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts“ vor. Impressionen eines sehr enspannten Theater- und Literaturabends

Michael Eberth, Schwierige Einheit

Einheit ist eine schwierige, eine delikate Agenda, zumal auf dem Boden des Theaters. Der Dramaturg Michael Eberth hat seine Theatertagebücher 1991 – 1996 unter dem Titel „Einheit“ veröffentlicht. Die Schocks des Encounters des „Westdramaturgen“ mit dem Ensemble des Deutschen Theaters unter Thomas Langhoff sind auch 20 Jahre im Disput Michael Eberths mit der Schauspielerin Jutta Wachowiak spürbar. Ein denkwürdiger „Theaterabend“ am 18. April in Wist – Der Literaturladen.

P.S. Dass dieser „Nachschlag“ so lange auf sich warten ließ, verdankt sich meinem Upgrade von meinem alten Mac zu einem neuen. Meine schöne Routine bei Imovie funktionierte nicht mehr angesichts der vielen „Verbesserungen“ der Software mit neuen und anderen Benutzeroberflächen. Der Widerstand ist weniger mentaler Natur als psychologischer. Ich wäre liebend gerne bei dem geblieben, was sich so schön bewährt hatte. In ein paar Monaten wird es eine neue schöne Routine geben.

Buchempfehlung: Efrat Gal-Ed über Itzik Manger

Wie Schlangen laufen Schienen in die Welt hinaus …“

von Mathias Iven

so heißt es gleich zu Beginn von Itzik Mangers „Ballade meiner Kindheit“. Eine revidierte und erweiterte Neuausgabe seiner Gedichte ist soeben erschienen und lädt dazu ein, einen der größten jiddischen Dichter zu entdecken …

Gal-Ed, NiemandsspracheManger, Dunkelgold

Mehr als ein Jahrzehnt hat die als Malerin und Autorin in Köln lebende und an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf lehrende Efrat Gal-Ed an einem Buch über ihn gearbeitet. Zwar spricht Gal-Ed bescheiden von einem „ersten Versuch einer kritischen Biographie“, doch die vor allem auf zahlreichen bisher unzugänglichen Dokumenten beruhende, mit fast 800 Seiten monumental zu nennende Darstellung wird wohl lange Zeit als Standardwerk zu gelten haben. Weiterlesen

Roland Schimmelpfennig war im Literaturladen zu Gast

An einem deutlichen, frühlingswarmen Aprilabend zu Beginn des 21. Jahrhunderts…

Fotos: Michael Lüder

Erzähl, Dramatiker! – Teil 3: Nis-Momme Stockmann

Teil 3: Nis-Momme Stockmann „Der Fuchs“
Die unendlich unwahrscheinliche Geschichte vom Fuchs, der sich verlaufen hat

von Felix Palent

Stockmann hat Mut. Hier tritt ein Autor mit geballter Faust und lauter Stimme auf, ein selbstbewusster Mann, der sich alles zutraut. Schon der Prolog hebt mit großer Geste und viel Eigensinn an. Im nordfriesischen Dorf Thule ist eine Sturmflut ausgebrochen, die Bewohner sitzen auf den Dächern und hoffen auf Rettung aus dem unendlich angewachsenen Meer. So auch Finn Schliemann mit ein paar Freunden. Und weil es so langweilig ist auf etwas so unwahrscheinliches wie Hilfe zu warten, erinnert sich Finn müde wegdämmernd an seine Jugendzeit. Besonders an die im Dorf gefürchteten halbstarken „Baschis“, mit denen es immer wieder handfeste Probleme gibt, und an das mysteriöse Mädchen Katja.

Sowohl Stockmann wie auch dieses Mädchen Stockmann, Fuchs Coversind jugendlich verspielt und von Ideen berauscht. Katja fixiert sich auf ein immer wieder auftauchendes Symbol – zwei konzentrische Kreise mit einem senkrechten Strich durch die untere Hälfte -, und dessen mögliche Verbindung mit zahlreichen nie gefundenen Leichenteilen von Toten des Dorfes. Irgendwann finden Finn und seine Gang einen alten Arm und schon beginnt die verzehrende innere Mechanik von Verschwörungstheorien die Oberhand zu gewinnen. Warum liegt ein abgetrennter Arm einfach so am Dorfteich? Was vorher noch als harmlose Jugendgeschichte erzählt wurde, wird plötzlich sehr mysteriös. Nicht nur die Handlung beginnt sich vielsagend aufzufächern, auch der Roman wird mit Schreibweisen und Formspielen bis zum Bersten aufgeladen. Schließlich verliert sich nicht nur Katja im Gewusel der Zeichen und bedeutungsschwangeren Symbole, sondern leider auch der Text. Stockmann vermischt Pop mit Agentenkrimi, Coming-of-age mit Science-Fiction, eine traumartige Verwunschenheit mit philosophischen Reflektionen. Je intensiver diese verschiedenen Arten des Schreibens ausgestellt werden, desto mehr drängt sich der Eindruck auf, dass sich hier ein Autor am eigenen Talent ergötzt. Weiterlesen

Joanna Bator war im Literaturladen zu Gast

Zehn Jahre nachdem Andrzej Stasiuk im Literaturladen war, ist es dank des Brandenburgischen Literaturbüros gelungen, die große polnische Autorin Joanna Bator und ihre Übersetzerin Lisa Palmes nach Potsdam zu locken.

 

Fotos: Michael Lüder

Buchempfehlung: Juli Zeh „Unterleuten“

Intrigieren, Koalieren, Antichambrieren, Reanimieren, Kokettieren, Stimulieren, Anschmieren

von Carsten Wist

Da zog es sie einst mit Lust aufs Land, auf der Suche nach der idyllischen Alternative zum hektisch-urbanen Großstadtleben. Gerhard, der habilitierte Soziologe, nun der engagierte Vogelbeschützer und seine 20 Jahre jüngere Sophie. Doch nun ist der Sommer nicht nur verdammt heiß, sie werden auch noch von schwarzen, stinkenden Rauchschwaden, die vom Grundstück des dicken Autoschraubers Schaller rüberwehen, eingeräuchert. So beginnt der neue Roman von Juli Zeh.“Unterleuten“ heißt er. Unterleuten ist das fiktive Dorf irgendwo in Brandenburg, in dem die Autorin ihren Roman angesiedelt hat, der so eine Art Versuchsanordnung zum Thema „Leben auf dem Land“ ist. Weiterlesen

Ein Totengespräch mit Arthur Schopenhauer

Literatur und Gesellschaft

Zehn Fragen an Arthur Schopenhauer

gestellt und aufgezeichnet von Mathias Iven

Nur ein paar Tage liegt der Geburtstag von Arthur Schopenhauer zurück. Sehr präsent ist der 1860 in Frankfurt am Main verstorbene Philosoph allerdings im allgemeinen Bewusstsein nicht mehr, und auch in den Vorlesungsverzeichnissen der Universitäten stößt man nur noch selten auf seinen Namen. Hat uns der Autor von „Die Welt als Wille und Vorstellung“ nichts mehr zu sagen? Wird er langsam zu einer Randfigur der Philosophiegeschichte degradiert?

Nicht wenn es nach Ernst Ziegler und seinen beiden Mitstreitern Anke Brumloop und Manfred Wagner geht. Emsig sind die drei seit Jahren damit beschäftigt, die nachgelassenen Notizbücher Schopenhauers mustergültig aufzubereiten. Nach den „Senilia“ und den „Spicilegia“ ist soeben der dritte von zehn geplanten Bänden erschienen. Der „Pandectae“ betitelte Band (was so viel wie „Allumfassendes“ heißt, ebenso aber auch für „Sammlung“ steht) enthält Schopenhauers philosophisches Tagebuch aus den Jahren 1832 bis 1837.

Grund genug, dem Autor ein paar Fragen zu stellen …

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