Leserempfehlung:
Henryk M. Broder, Die letzten Tage Europas

Zum Thema Europa schien ja schon alles gesagt, nur noch nicht von allen, u.a. von dem nach Selbsteinschätzung größten Polemiker deutscher Zunge. Dem hat Henryk M. Broder mit einem ultimativen Werk, 222 Seiten lang, 337 g schwer, mit den Maßen:  206 x 135 x 22 mm, abgeholfen. Für Broder-Fans (die Welt teilt sich in Broder-Fans und Broder-Todfeinden „Israel als Corpus delicti oder meine Existenz sind Erinnerer an den Holocaust … das europäische schlechte Gewissen wäre enorm erleichtet, wenn jemand anders den „Job“ des Holocaust II übernehmen würde …“) ist dieses Kompendium ein must read. Sie werden nicht enttäuscht. Broder liefert zuverlässig, was man von ihm erwartet. Der geneigte Leser darf sich darauf verlassen, dass es ihm bei der Lektüre nicht nur in seinem Bauch rumpelt und pumpelt, als ob er sieben Geislein und darauf noch Wackersteine geschluckt hätte, sondern auch in seinem Oberstübchen. Wie kann das anders sein bei einem Autoren, der so in das Thema einführt? Kostprobe:

Ich bin also jetzt Teil einer Friedensnobelpreisträgergemeinschaft. Einer von 500 Millionen. Ich sollte stolz darauf sein. Wenn ich nicht eine angeborene Allergie gegen „Gemeinschaften“ hätte. Ich möchte, wie Groucho Marx, keinem Verein angehören, der darauf besteht, dass ich ihm beitreten soll. Es reicht mir schon, dass ich mir meine Eltern, meinen Geburtsort, meine Nationalität und meine Religion nicht aussuchen konnte, dass ich sozusagen vorfabriziert, vorgeprägt, vorbestimmt auf die Welt gekommen bin. Dabei habe ich noch Glück gehabt. Als Angehöriger der untersten Kaste in Indien wäre ich schlimmer dran. Dagegen ist das Leben als Beute-Deutscher mit polnisch-jüdischem Hintergrund der reine Luxus. […]
Man kann aber auch nicht für oder gegen Europa sein. Das ist so, als wäre man für oder gegen das Wetter. Man kann aber Meteorologen, die das Wetter vorhersagen oder es zumindest versuchen, misstrauen. So wie man Demoskopen, die Wahlergebnisse prognostizieren, misstrauen sollte. In diesem Sinne habe ich kein Vertrauen zu den Berufseuropäern. Und ich erkläre Ihnen gerne, warum Sie gut daran täten, meinem Beispiel zu folgen.“ (a.a.O., S. 21-22)

Ich verstehe schon, dass man allen möglichen Scharlatanen von den Wetterfröschen bis zu den Berufseuropäern tunlichst nicht trauen sollte, Henryk. M. Broder, einem Mann frommen Geistes und guten Willens, jedoch allen Kredit der Welt einräumen darf. 😀

Beitrag: Othmar Kaufmann

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