Buchempfehlung: „Der Garten der Virginia Woolf – Inspirationsquelle einer engagierten Schriftstellerin“

© DVA

von Mathias Iven

Wer ihn einmal gesehen hat, kehrt immer wieder: gemeint ist der Garten von Monk’s House im südenglischen Sussex. – Erstmals widmet sich nun ein Buch einzig und allein diesem Ort. Fast zeitgleich erschien dazu in Großbritannien und in Deutschland der prächtig gestaltete Band von Caroline Zoob. Gemeinsam mit ihrem Mann bewohnte sie zwischen 2000 und 2011 Monk’s House und kümmerte sich um Haus und Garten. Geschrieben mit einer Leidenschaft und Sachkenntnis, die die Lebensumstände der Woolfs im Blick hat und das Auge des Interessierten auf jedes noch so kleine Detail des Gartens lenkt, ist dieses Buch ein Muss für alle Woolf-Begeisterten und die Freunde der englischen Gartenkunst.

Aufgegliedert in sechs Teile findet sich am Anfang ein Abriss zu der Zeit zwischen dem Einzug am 1. September 1919 bis hin zum Ende der Zwanziger Jahre. Der daran anschließende, fast die Hälfte des Buches umfassende dritte Teil beschreibt in aller Ausführlichkeit die einzelnen Gartenräume in ihrer Entwicklung. Zoob stützt sich dabei immer wieder auf Selbstäußerungen der Woolfs und hat wohl alles an betreffenden Zitaten dazu versammelt – warum bei deren Wiedergabe nicht auf die vorhandenen Übersetzungen zurückgegriffen wurde, sei dahingestellt. Farbenprächtig illustriert wird das Ganze durch zahlreiche Pflanzpläne und die Photos der Interior- und Lifestyle-Fotografin Caroline Arber.

Büste von Virginia Woolf, © NTPL/Eric Crichton

Das vierte Kapitel setzt 1938, kurz vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges, ein. Als im Herbst 1940 die Londoner Wohnung der Woolfs durch Bomben zerstört wurde, blieb ihnen nur noch Monk’s House. – Nach dem Freitod von Virginia, im März 1941, wohnte Leonard Woolf noch 28 Jahre zurückgezogen in Monk’s House. Zu Beginn der fünfziger Jahre begann er, seine Autobiographie zu schreiben, deren fünfter und abschließender Band 1969, in seinem Todesjahr, erschien.

 

© S. Fischer Verlag

Virginia Woolfs Freundin Vita Sackville-West, die in den dreißiger Jahren mit der Anlage ihres gleichfalls berühmt gewordenen Gartens im nahe gelegenen Sissinghurst beginnen sollte, versuchte immer wieder – wenn auch ohne großen Erfolg –, Einfluss auf die Gestaltung des Gartens von Monk’s House zu nehmen. In erster Linie stand sie Leonards gärtnerischer Umtriebigkeit skeptisch gegenüber. Sein Anspruch, „Versailles auf tausend Quadratmetern Sussex zu verwirklichen“, war zum Scheitern verurteilt. Doch darum ging es auch nicht. Anders als in Sissinghurst entwickelte sich der Garten von Monk’s House über die Jahrzehnte hinweg zu einem „natürlich“ gewachsenen Kunstwerk – und gerade das macht bis heute seinen Reiz aus.

 

Caroline Zoob (Text) / Caroline Arber (Photos): Der Garten der Virginia Woolf. Inspirationsquelle einer engagierten Schriftstellerin. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2013, 192 S., 29,99 Euro

http://www.nationaltrust.org.uk/monks-house/

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