Bücher-Frühling in Frankreich

aus Grenoble berichtet Jette Schwarz

Der Bücher-Frühling in Frankreich beginnt neben landeseigenen Veröffentlichungen mit internationalen Größen. Neben Übersetzungen von Christa Wolf „August“, Julian Barnes „Quand tout est déjà arrivé“ und Ian McEwan „Opération Sweet Tooth“ wird besonders der neue, amerikanische Roman von Donna Tartt gefeiert, eine in den 60ern geborene amerikanische Schriftstellerin. Sie veröffentlicht zehn Jahre nach „The little friend“ (dt.: „Der kleine Freund“) den Roman „Le Chardonneret“ (engl.: „The Goldfinch“; dt: „Der Distelfink“) und liefert hiermit ein etwa 650 Seiten langes „Comeback“, das auch ins Deutsche übersetzt wurde. In der französischen Presse wird Tartt für ihre scharfsinnigen Betrachtungen über das gegenwärtige Amerika wiederholt gelobt und ihrem eigenen Idol Charles Dickens an die Seite gestellt. „Der Distelfink“ erzählt von einem Jungen namens Theo, von einem Gemälde, einer Flucht, von Einsamkeit und Freundschaft, von den Verflechtungen des Schlechten und des Guten, von der Zerbrechlichkeit und der Inpermanenz der Welt und schließlich auch von Identität.

«Le Chardonneret est aussi un beau roman sur l’amitié et sur la solitude. Sur le dégoût de la vie, et sur ce qui donne du prix à celle-ci. Sur la permanence de dispositions et de sentiments chez un être et sur l‘«impermanence» d’un monde qui peut se disloquer à tout instant, sans raison.» Le Monde

 

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Die französische Autorin und Musikerin Lola Lafon hat mit „La petite communiste qui souriait jamais“ einen phantasievollen Roman über die rumänische Kunstturnerin Nadia Comăneci geschrieben. Im Alter von 14 Jahren nimmt sie 1976 an den Olympischen Spielen in Montreal teil und wird zum Leitbild in Ost und West – in unterschiedlichen Funktionen. Lafon schreibt keine Biographie, sondern einen phantastischen Dialog zwischen der im Osten als jüngste kommunistische Heldin und im Westen als Pop-Sport-Ikone geltende rumänische Turnerin und der Erzählerin des Romans, die es sich zur Aufgabe machte, die Geschichte dieses Mädchens aufzuschreiben. Für Lafon ist Nadia die Figur, in der all ihre literarischen Interessen zusammenlaufen: der weibliche Körper, Bewegung als Sprache des Lebens und die Konfrontation Ost-West stecken in dieser Erzählung. Dabei geht es ihr nicht um die wirkliche Nadia Comăneci, sondern um das, was sie verkörpert. Es geht in diesem Roman um staatliche Manipulation, Ideale, Medien und die vergangene Zeit des Kalten Krieges.

Coup de Coeur

Der Klassiker in französischen Buchläden: Die Kategorie „Coups de Coeur“.

 

 

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