Der tägliche Fritz (15)

Raddatz-BannerThe Golden Park, Nizza, den 29. April 2004
„Endlich weiß ich, wozu / was ein Tagebuch ist (aber wußte ich’s nicht schon immer: nämlich niedergeschriebener Monolog?): der Jammerlappen des Schriftstellers.
Ich jedenfalls sitze hier, festgefahren in einer Art Depression, das Boot ist auf Sand gelaufen (…) – und ich kann nicht ganz genau herausfinden, wieso. Es kann ja nun nicht immer noch die postkoitale Melancholie nach den Lebenserinnerungen sein, selbst wenn man die als RIESENorgasmus gelten ließe, kann das so lange nicht dauern. Und viele andere berufliche Klitzekleinigkeiten laufen ja ganz gut. (…)
Zugleich aber WEISS ich, daß das Ausflüchte sind, daß es eben Hobelspäne sind, keine ernsthaften und großen Arbeiten. (…) Da bin ich eben doch ausgespien, ‚die Gesellschaft‘, wer immer das sein mag (…), braucht so jemanden wie mich nicht, nicht seine Interventionen, nicht seinen Humor, nicht seine Bitterkeit – was immer.“

Fritz J. Raddatz: Tagebücher. Jahre 2002 – 2012, Rowohlt Verlag, 24,95€

 

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