Der tägliche Fritz (18)

Raddatz-Banner30. November 2004
„Warum nur schaffe ich’s nicht, mich von dem ausgeleerten Karussel abzuschwingen, noch mal den FAUSTUS oder MADAME BOVARY oder KRIEG UND FRIEDEN in Frieden und in Ruhe zu lesen? Ist es wirklich, wie der freundlich-liebenswürdige Kersten mir gestern Abend sagte, weil ‚Sie eben noch sehr viel kreative Energie in sich haben‘ – oder ist es doch die verdammte applaussüchtige Eitelkeit, mit der ich dann irgendein Blatt aufschlage, weil, na was schon, ein Artikelchen von mir drinsteht (…). Unlösbar – Hemingway hat sich erschossen, als er schriftstellerisch am Ende war, Walter Benjamin die ominöse Aktentasche über die Pyrenäen geschleppt, sie war ihm wichtiger als sein Leben. Die Beispiele sind zahllos und illuminieren diesen Zustand, auch wenn man kein Hemingway und wohl nicht mal ein W. Benjamin ist.“

Fritz J. Raddatz: Tagebücher. Jahre 2002 – 2012, Rowohlt Verlag, 24,95€

 

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