Der tägliche Fritz (22)

Raddatz-BannerHotel Lutetia, Paris, den 1. Oktober 2005
„Die Begegnung ferner Sterne resp. Nicht-Begegnung: der 30-jährige Glencheck-(trägt man das wieder?)Journalist Stuckrad-Barre, der mich hier im Auftrag einer Zeitschrift porträtieren soll, läßt mich den 1. Abend (…) 40 Minuten in der Hotelhalle warten, heute morgen 1 volle Stunde im Deux Magots; als ich um 11 Uhr anrief, schlief der Herr noch, während der 45 Jahre Ältere pünktlich um 10 Uhr dort gesessen hatte.
So sinnlos ist das Ganze. All meine Pläne (…) fielen ins Brackwasser des Desinteresses. (…)
Er war das 1. Mal in seinem Leben in Paris – und sieht nichts, schmeckt nichts, schläft und fragt nach gar nichts.
Oder hat diese Generation ein so ganz anderes Aufnahmevermögen, sind widerlich-schwer Bewaffnete in den Tuilerien interessanter als die Skulpturen, von denen er nicht eine ansah, nie je fragte ‚Von wem ist das?‘
Der Mann ißt gerne Austern. Aber er ist eine Auster ohne Perle.“

Fritz J. Raddatz: Tagebücher. Jahre 2002 – 2012, Rowohlt Verlag, 24,95€

 

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