Scheitern an/mit/von: Donna Tartt – „Der Distelfink“

Der Rezensent bricht ab…

von Siegfried Ressel

…und zwar auf Seite 346. Aus, aus, aus – es reicht!

Aufwendig konstruiert Donna Tartt eine gigantische Seifenblase. Fleißig schreibt sie Seite um Seite aufeinanderfolgende Sätze, deren Grammatik fehlerfrei, deren Beziehungen zueinander folgerichtig sind. Erzählt wird mit der Stimme eines Schreibroboters die Geschichte eines Adoleszenten, der durch einen Bombenanschlag in einem New Yorker Museum seine Mutter verloren hat. Die Versatzstücke Terrorismus und der Verlust eines nahen Menschen sind nicht mehr (also verdammt wenig) als ein Setting innerhalb einer lahmen Story in den Kulissen der New Yorker Upper Class.

Soweit die Seifenblase.

Und da Seifenblasen naturgemäß rein gar nichts mit Literatur zu tun haben, sondern eher auf dem Jahrmarkt zu Hause sind, kann man dieses 1000-Seiten-Buch ganz einfach auf den Müll schmeißen. Gerade Amerikanische Autorinnen und Autoren haben zum Thema Terrorismus und Verlust Bedeutendes geschrieben; von Joan Didion bis Philip Roth, von William Gaddis bis Richard Ford – nur um einige zu nennen. Diese Schriftsteller durchdringen, literarisieren, schaffen Relevanz. Sie haben uns etwas zu sagen. Donna Tartt schreibt viel und sagt rein gar nichts. Sie kompensiert das, in dem sie sich als (nichtssagender) Pop Star vor ihr Buch stellen lässt. Als Pappkameradin gewissermaßen.

Wenn man ein dickes Buch beginnt zu lesen, ist man sich darüber im Klaren, einen Marathon anzugehen. Eine Aufgabe kommt einer Niederlage gleich. Ein Buch nach einem gelesenen Drittel wegzulegen, fällt nicht leicht. Bei Tartt hingegen ist dieser Entschluß definitiv ein Gewinn: man freut sich, endlich wieder Zeit zum Lesen zu haben!

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