Der tägliche Fritz (29,5; ein Nachtrag aus dem Vergessen)

Raddatz-BannerThe Golden Park, Nizza, den 3. Februar 2007
„Mich bewegt seit geraumer Zeit ein Thema, das man wie einen großen bunten Fächer weit aufklappen könnte: die Verlogenheit der Selbstdarstellung, die eng zusammenhängt mit einer ‚akzeptierten‘ Darstellung, also Mythen, die die Öffentlichkeit unüberprüft fortschreibt.
Ein Beispiel der Verleger Unseld. ‚Verleger‘ heißt ja gemeinhin, daß jemand Autoren ENTDECKT und dann pfleglich weiter gefördert hat. Fast all die berühmten GROSSEN aber, die man Unseld (Suhrkamp) zuschreibt, hat nicht ER entdeckt – Uwe Johnson, Enzensberger wurden von Peter Suhrkamp verlegt, Hesse und Brecht sowieso -, er hat sie bloß aufgekauft: Arno Schmidt oder Koeppen, Proust oder Joyce, die Mayröcker oder den Muschg, die Bachmann oder den Eich. ALLE wurden anfangs – und meist erst einmal erfolglos, also unter Einsatz erheblicher Mittel – von anderen, oft kleinen Verlagen ‚gemacht‘. Keinder der deutschen / deutschsprachigen Nobelpreisträger ist ein Suhrkamp-Autor: Böll, Grass, Canetti, Jelinek. (…) Es wäre ein ganz ansehnlicher Katalog, einmal zusammenzufassen, wen an wichtigen Autoren er nicht verlegt hat.“

Fritz J. Raddatz: Tagebücher. Jahre 2002 – 2012, Rowohlt Verlag, 24,95€

 

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