Der tägliche Fritz (30)

Raddatz-BannerGran Hotel Bahia Del Duque Resort, Teneriffa, den 1. Dezember 2008
„Da sitze ich und schreibe auf dem ich-weiß-nicht-wievielten Insel-Hotel-Papier von meiner ich-weiß-nicht-wievielten Traurigkeit, die weder Sonne noch Atlantik-Wind, noch Meer (…) wegblasen können.
Bislang sind viele Jahre wohl eher sentimental-larmoyant verstrichen, nun definitiv und letal: Mit lauter kleinen Lügen schummle ich mich am Krebs vorbei, vor dem Krebs weg, und mein Kopf, meine Seele kennen kein Rezept, wie damit umzugehen. Ich kann ja nicht den ganzen Tag an den Tod (den Freitod?) denken, an die kommenden Schmerzen, ans Siechtum. Man kann aber auch nicht nicht daran denken. (…) Ich bin nicht mehr ich, bin nur mehr eine Attrappe, eine Kasperle-Puppe, die sich an den eigenen Strippen erwartungsgemäß ‚lustig‘, ‚brillant‘ und ‚präsent‘ zurechthampelt, wenn Besucher aus Hamburg, Verleger zumeist, auftauchen.“

Fritz J. Raddatz: Tagebücher. Jahre 2002 – 2012, Rowohlt Verlag, 24,95€

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.