Der tägliche Fritz (32)

Raddatz-BannerPalais de la Méditerranée, den 22. Mai 2009
„Herzschmerzbereitendes Adieu: Nizza vorbei. Dabei es – jede Komödie hat ja einen Kern von Tragödie; wie umgekehrt auch – nicht einmal unkomisch zuging. (…) Den letzten Abend in ‚meinem‘ Nizza wollte ich dann dort verbringen, wo ich zu Beginn der Jahre manchmal allein Tatar gerührt hatte, im ‚Gambetta‘ an der Place de Gaulle, einem ordinären Kleine-Leute-Bistro – und ich bekam, was ich wollte: das fröhlich-vulgäre Südfrankreich, lärmend, ausgelassen, ‚la vie est belle‘: Auf meine Bitte nach einem Aschenbecher hieß es ‚Hier wirft man die Kippen auf die Erde‘, der Wein wurde INS Bierglas gegossen, aber das ca. 8jährige Kind am Nachbartisch wußte, wie man die Muscheln aufmacht und danach die Finger säubert.
Tränen unterdrückend, stieg ich in die Straßenbahn, bis zur Place Masséna, ging an die Plage, da, wo der Paillon-Fluß ins Meer strömt und warf meinen schönen Strohhut hinein. Er trudelte fröhlich auf den Wellen, drehte sich wie zu einer Abschiedsmusik und ging dann langsam unter.“

Fritz J. Raddatz: Tagebücher. Jahre 2002 – 2012, Rowohlt Verlag, 24,95€

 

2 Gedanken zu “Der tägliche Fritz (32)

  1. Ihre Sendungen sind wunderbar, eine sehr schöne Morgen-Beginn-Lektüre!
    Da die Inhalte immer schwerer werden und bereits das Jahr 2009 erreicht ist und die Tagebücher nur bis 2012 gehen, und…. – womit wollen Sie fortsetzen?
    Doch nicht etwa aufhören!
    Zunächst aber vielen Dank für diese Idee.
    Viele Grüße,
    A. Everett.

    • Werte Frau Everett,
      Sie haben leider völlig Recht: die Einträge im Tagebuch sind endlich. Und damit auch „Der tägliche Fritz“.
      Abhilfe leistet allein das Buch, denn unsere Auswahl ist ja nur ein kleinster Teil all dessen, was Fritz J. Raddatz notiert hat.
      Und irgendwann wird sich der Schatten „Finis Tagebuch“ über die Morgen legen, nur wann, wird nicht verraten.

      Vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Und vielleicht möchten Sie ja zu unserer MontagsImmer-Abschlusslesung am 26. Mai um 19 Uhr kommen, zu der bestimmt auch der eine oder andere Eintrag gelesen wird.
      Felix Palent

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