Der tägliche Fritz (35)

Raddatz-Banner28. März 2010
„Die Freunde (die ich mal für Freunde hielt) alt, krank oder tot, jüngere nicht in Sicht. Und meine Literaten ehr- und ruhmsüchtiger denn je, sich gegenseitig bekeifend und besudelnd oder, viel schlimmer, sich gegenseitig in den Arsch kriechend: (…) Walser geht ja auch auf eine Berliner Suhrkamp-Party, obwohl dieser Verlag – den er verlassen hat – ihm angeblich noch viel Geld schuldet, und verabredet sich zu einem ‚freundlichen‘ Gespräch mit Schirrmacher, der ihn so scharf wie noch nie jemand angegriffen (und einen vereinbarten Vorabdruck abgesetzt) hat. Usw. usf. – ‚Charakter ist nur Eigensinn…‘
So monologisiert hier ein Mensch in sein Tagebuch hinein wie in ein Schluchztüchlein – derweil doch mein Tagebuch eins auch Fixativ für Amüsantes war, für seltsame Begegnungen, Freundschaften, Feindschaften (nicht mal DIE gibt es mehr…).“

Fritz J. Raddatz: Tagebücher. Jahre 2002 – 2012, Rowohlt Verlag, 24,95€

 

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