Der tägliche Fritz (37)

Raddatz-BannerKampen, Sylt, den 10. Oktober 2010
„Die seltsame Erfahrung, daß in Sachen Tagebuch und öffentliche Reaktion schier niemand begreifen will, daß auch eine saftig-schöne Orange innen bittere Kerne haben kann; schält man den Pfirsich und genießt das süße Fleisch, ist innen ein mandelbitterer Kern. Will sagen: Sie lesen alle (…) Cocteau oder Camus oder Thomas Mann: und haben ganz offensichtlich deren Verzagtheit, ihre innere Einsamkeit bei / trotz allen Ruhmes nicht verstanden, jene Selbstbitternis des Pfirsichkerns, jene Melancholie (…). Sie lesen alle viel – aber sie begreifen so wenig.“

Fritz J. Raddatz: Tagebücher. Jahre 2002 – 2012, Rowohlt Verlag, 24,95€

 

Ein Gedanke zu “Der tägliche Fritz (37)

  1. Liebe Leute,

    heute möchte ich euch herzlich danke sagen für euren wunderbaren Newsletter! Insbesondere die Textpassagen sind für mich täglich wie ein Pralinchen für meinen Kopf, und so eine Süßigkeit gleich am Morgen!

    Ich bin eine verheerend begeisterte Tagebuchleserin (und -schreiberin und -beforscherin). Dieser Raddatz-Eintrag vom 10.10.2010 spricht mir aus der Tiefe. Das bloße dokumentarische Notieren der Ereignisse gleicht dem Hinterherlaufen nach dem eigenen Leben. In der Offenbarung des Autors Kerngehäuse aber, zeigt sich erst der volle Geschmack. Naja, er wusste das.

    Mein geliebter Journal-Favorit ist der große Paul Nizon, den ich gerne auch in Potsdam lesen hören würde. Sein Credo: Am Schreiben gehen (auch Titel seiner Frankfurter Poetikvorlesung von 1985). Ob ihr ihn mal nach Potsdam einladen würdet? Tät mich sehr freuen!
    Viele Grüße aus Babelsberg von
    Beate Fischer

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