Buchempfehlung: Mit einem absoluten Gehör der Erinnerung

Ein Buch ist ein Ereignis, die gesamte Reihe eine Erfahrung. Karl Ove Knausgårds Romanzyklus entfaltet eine subtile Intensität.

von Felix Palent

Inhaltlich ist der Romanzyklus Min Kamp von Karl Ove Knausgård rasch beschrieben – es geht um: Karl Ove Knausgård. Wer das derzeitige literarische Geschehen verfolgt, findet nahezu allgegenwärtig Interviews, Besprechungen, Bekenntnisse zu diesem autobiografischen Großwerk. Sechs Bücher werden es sein, in denen der Autor seinem Leben nachschreibt; auf deutsch sind inzwischen vier erschienen: Sterben, Lieben, Spielen und Leben.
Die Idee war, meinem Leben so nahe zukommen wie möglich, also schrieb ich über Linda und John, die im Nebenzimmer schliefen, Vanja und Heidi, die im Kindergarten waren, die Aussicht aus dem Fenster, die Musik, die ich hörte. (…) Am nächsten Morgen begann ich, über das Frühjahr zu schreiben, in dem Vater sich von mir und Mutter getrennt hatte, und obwohl ich jeden Satz hasste, beschloss ich weiterzumachen, ich musste es hinter mir lassen, die Geschichte erzählen, die ich so lange zu erzählen versucht hatte. Wieder daheim machte ich weiter, in einigen Notizen, die ich mit achtzehn niedergeschrieben und aus irgendeinem Grund nicht weggeworfen hatte, stand »Tüten mit Bier im Straßengraben«, was auf einen Silvesterabend in meiner Jugend anspielte, das konnte ich benutzen, solange ich es einfach laufen ließ und den Gedanken aufgab, das Höchste erreichen zu wollen.“

Sterben von Karl Ove Knausgard Weiterlesen

Buchempfehlung: Marion Brasch „Wunderlich fährt nach Norden“

 Dem Wunderlichen geschieht Wundersames

 von Carsten Wist

Das ging aber ganz schön schnell. Das Echo des Lobes für ihr erstes Buch „Ab jetzt ist Ruhe“ ist immer noch hörbar, da liegt nun ein neuer Roman der Radiomoderatorin Marion Brasch vor. Nannte Marion Brasch ihr Debüt im Untertitel „Roman meiner Familie“,hat sich die Berlinerin mit „Wunderlich fährt nach Norden“ einen rein fiktiven Stoff gewählt, der ganz und gar ohne Brasch’sche familienbiographische Bezüge auskommt.

© Michael Lüder

Das ist natürlich für die Radiofrau ein erzählerisches Experiment, noch dazu haben es die zweiten Bücher immer etwas schwerer – doch Brasch macht das gut. Wunderlich ist ihre Hauptfigur, von dem schon im ersten Satz gesagt wird, dass er der unglücklichste Mensch der Welt ist, den er je kannte. Sein Unglück heißt Marie. Weiterlesen

Peter Handke / Thomas Oberender: Nebeneingang oder Haupteingang? Gespräche über 50 Jahre Schreiben fürs Theater

Dieser Band mit vier Gesprächen zwischen Peter Handke und Thomas Oberender ist vor allem ein Zuviel. Zuviel an Anekdoten aus dem Theaterleben, zuviel an Traumsätzen, an gebündelter Zeit. Diese Gespräche prägnant kürzer zu fassen, heißt ihr Fließen zu unterbinden, ein unpoetischer, grober Akt. Daher zur Empfehlung dieses wertvollen Buches einige Zeilen aus dem Vorwort von Thomas Oberender:

    

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Buchempfehlung: „Unter Spielern – Die Nationalmannschaft“

Der Worte seien genug gewechselt. Mit der Fußball-Weltmeisterschaft geht auch die Zeit des Bescheidwissens zu Ende. Allein Bilder bleiben bestehen, die ein Vehikel sein können, die Ereignisse zu realisieren.
Der Bildband „Unter Spielern – Die Nationalmannschaft“ bietet genau das. Auch wenn die Deutsche Mannschaft der „Goldenen Generation“ nicht mit dem Pokal zu sehen ist (weil die Bilder vor und während der Europameisterschaft 2012 entstanden sind), so begreift man beim Anschauen dieser Kunst der Fotografin Regina Schmeken doch die gesamte Breite, Tiefe und Schönheit der Fußballkunst.

„Ein Fußballspiel ist immer auch eine Begegnung, und wenn Welten sich begegnen, sich aufeinander einlassen, dann entstehen Spannung, Unterhaltung und im Idealfall neue Ideen.“ Regina Schmeken

Regina Schmeken: Unter Spielern – Die Nationalmannschaft, Hatje Cantz 2012, 29,80€.

Buchempfehlung: „Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln“ von Christoph Peters

Kulturimport Holzbrandofen

von Carsten Wist

Schon als Teenager schwärmte der 1966 geborene Christoph Peters für die japanische Kultur. Später schlug sich das in seinen Büchern nieder, so in dem schelmenhaften Roman “Mitsoukos Restaurant“. Soeben ist mit „Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln“ Christoph Peters‘ neuestes Buch erschienen. Es geht diesmal um Keramik, um die Teezeremonie, die ja eine Mischung aus Meditation, Kunst und überlieferter Kultur ist, um die sorgfältige Herstellung der für dieses Ritual benötigten Schalen und um die Meisterschaft des Brennofenbaus. Weiterlesen