Buchempfehlung: „Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln“ von Christoph Peters

Kulturimport Holzbrandofen

von Carsten Wist

Schon als Teenager schwärmte der 1966 geborene Christoph Peters für die japanische Kultur. Später schlug sich das in seinen Büchern nieder, so in dem schelmenhaften Roman “Mitsoukos Restaurant“. Soeben ist mit „Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln“ Christoph Peters‘ neuestes Buch erschienen. Es geht diesmal um Keramik, um die Teezeremonie, die ja eine Mischung aus Meditation, Kunst und überlieferter Kultur ist, um die sorgfältige Herstellung der für dieses Ritual benötigten Schalen und um die Meisterschaft des Brennofenbaus. Für eine der Hauptfiguren in Peters Roman, Ernst Liesegang, geht nämlich ein großer Traum in Erfüllung. Liesegang hatte einst in Japan das Töpfern gelernt. Jetzt, wir schreiben das Jahr 1989, wird auf seinem Grundstück an der Ostsee endlich ein ganz besonderer Holzbrandofen, ein Anagama, aufgebaut. Wie es überhaupt dazu kommen konnte ist eine lange Geschichte, die der Autor so im Vorbeierzählen des Baugeschehens erhellend mit einstreut. Leitender Ofenbauer vor Ort ist Herr Yamashiro, ein Meister seines Fachs, was sag ich: DER Ofenbaumeister!! Und bei diesem Kulturimport ist jedes Detail wichtig. Der Standort, es ist ein altes Pfarrhaus mit unheilvoller Geschichte, ebenso wie die Wind- und Zugverhältnisse sowie die Baumaterialien, die vor Ort besorgt werden müssen. Das Bauen dieses Brennofens über mehrere Wochen hinweg – an und für sich ja nicht gerade der aufregendste Vorgang, oder? –, beschreibt Peters nicht nur mit alltäglicher Komik sondern auch mit enormer Spannung ob des Gelingens des Bauvorhabens. Hier prallen verständlicherweise unterschiedliche Kulturen aufeinander. Amüsant ist, wie Liesegang mit den deutschen Paragraphenbehörden kämpfen muss, auch wie Freunde und Anwohner reagieren. Liesegang, der sich japanischer gibt als die Japaner, natürlich nichts verkehrt und alles recht machen will. Der ruhende Pol, das Zentrum des Geschehens ist der Meister Yamashiro. Der lässt sich nicht einmal von dem Filmteam, das diesen außerordentlichen kulturellen Akt für die Ewigkeit festhalten soll und selbstredend ganz eigene Bildvorstellungen hat, aus der Ruhe bringen. Selbst als Yamashiro krank wird, die Ärzte eine OP für dringend notwendig halten, Yamashiro diese ablehnt und das Projekt gefährdet scheint, geschieht ein kleines Wunder. Doch die überraschendste, vielleicht somit auch nachhaltigste Begegnung ist die zwischen dem Meister, der sogar seine eigenen Köche dabei hat, und der Wirtin vom „Schollenkutter“. Die kommt nämlich ganz unkompliziert und direkt daher, lässt mit Schnaps anstoßen und reicht Mettbrötchen, Fleisch und Kartoffeln. Und das schmeckt auch Herrn Yamashiro ganz besonders.

Christoph Peters hat einen köstlichen Roman von gut 200 Seiten geschrieben. Sanft, witzig und weise. Federleicht. So wie Herr Yamashiro seinen ganz besonderen Ofen, so hat der Autor auch seinen ganz besonderen Roman mit unangestrengten Rückblenden und unkomplizierten Verschiebungen der Erzählebenen gebaut. So verbeugen wir uns nicht nur aus traditioneller Höflichkeit vor der Meisterschaft des Erzählers Christoph Peters.

Christoph Peters : Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln, Luchterhand Vlg., 224 S.,18,99€.

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