Peter Handke / Thomas Oberender: Nebeneingang oder Haupteingang? Gespräche über 50 Jahre Schreiben fürs Theater

Dieser Band mit vier Gesprächen zwischen Peter Handke und Thomas Oberender ist vor allem ein Zuviel. Zuviel an Anekdoten aus dem Theaterleben, zuviel an Traumsätzen, an gebündelter Zeit. Diese Gespräche prägnant kürzer zu fassen, heißt ihr Fließen zu unterbinden, ein unpoetischer, grober Akt. Daher zur Empfehlung dieses wertvollen Buches einige Zeilen aus dem Vorwort von Thomas Oberender:

    

„Im Grunde haben wir nur im Garten gesessen und über das Theater geredet. (…) Es entstand eine besondere Form der Begegnung – am Gartentisch wirkt ein Gespräch nicht so vorsätzlich geführt, die Abschweifung lag in der Luft. Ich erinnere mich, daß Peter Handke, als wir uns in Berlin trafen, gerade von einem Morgenspaziergang durch die Rehwiesen unweit des Hauses zurückkehrte. In der Hand hielt er einen Strauch Sauerampfer. Und so, wie alles etwas sagt oder zu sprechen beginnt, wenn man es lange genug anschaut, erscheinen mir die Umstände unserer Gespräche rückblickend eben auch erwähnenswert. Für uns beide hatte der Beschluß, über ein halbes Jahrhundert seiner Theaterarbeit zu sprechen, etwas Einschüchterndes: Wie soll das gehen? Zuviel Zeit, zu viele Etappen, Personen, Texte und Interviews, Preise und Krisen. Ich hatte für unsere Begegnung vorab keine Fragen vorbereitet, sondern hielt mich an einzelne Beobachtungen und versuchte die Themen erst im Gespräch zu finden. (…)
So entstanden die hier abgedruckten, längeren Gespräche. Sie wurden im Freien geführt, auch wenn sie drinnen stattfanden. (…) Peter Handke war während unserer Gespräche in seinem Haus und Garten stets hoch konzentriert, aber er brauchte dafür eine Umgebung der Fülle und Heiterkeit, also nicht des Büros und der abgezirkelten Zwecke. Statt dessen seine Öffnung für flüchtige Impulse, wobei sein tastendes, verwerfendes, dann wieder lospreschendes Reden die eigene Rede genauso reflektiert, wie der Dramatiker die Form des Dramas, der Sprach- und Theaterkonventionen. (…)
Handke ist einer der kostbar Naiven, die unsere Bühnen als etwas, das der Verkündigung dient, begreifen. Wobei zu den Paradoxien der Person und des Werkes von Peter Handke zählt, daß er nichts weniger ist als naiv, sonder hyperreflektiert, jederzeit die dritte Person seiner selbst ist, und zugleich geradezu mutwillig glaubenswillig. Vielleicht machen die hier wiedergegebenen Gespräche auch davon etwas spürbar.“

Thomas Oberender

Peter Handke / Thomas Oberender: Nebeneingang oder Haupteingang? Gespräche über 50 Jahre Schreiben fürs Theater, Suhrkamp Spectaculum 2014, 20,00€.

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