Bücherjahr 2014 – Ein Jahresendgespräch

Carsten Wist lässt mit seinen jungen Mitarbeitern Felix Palent und Jette Schwarz das Bücherjahr 2014 Revue passieren. An einem heiteren Abend im Advent geht es z.B. darum, was Hunde alles auffressen, den Beitrag der Franzosen zur alten und neuen Literatur, die größte Enttäuschung des Jahres und das beste Buch des Jahres. Ein paar Eindrücke und Urteile

Wer auch von Lutz Seiler und Kruso begeistert war, für den seine Lesung in der Schinkelhalle in Potsdam

Wiedergelesen: Rudolf Borchardts Leben von ihm selbst erzählt

Die Gewalt der Sprache: Rudolf Borchardt

von Mathias Iven

Da fasst ein Mann mittleren Alters eines Tages den Plan, seine Autobiographie zu schreiben. Doch schon am Anfang muss er sich eingestehen: »Meine Erinnerung enthält für meine ersten Jugendjahre keinerlei Bilder.« Und nicht nur das. »Was mir erzählt worden ist, hat auf meine Entwickelung schlechterdings keinen Einfluß geübt.«

Der dies bekennt ist Rudolf Borchardt, geboren in Königsberg, »in der Stadt von der aus Kant die reine Vernunft, die praktische Vernunft und die Urteilskraft determiniert – Hamann das Geheimnis des Dichterischen erahnt und Herder es befreit und verkündet hatte«. In seiner Erinnerung kommt der ostpreußischen Heimat, die ihm in seiner Kindheit nur aus den Erzählungen der Großmutter her bekannt ist, eine zentrale Rolle im geistigen Leben Deutschlands zu, wurde doch dort – für ihn eine »heilige und unbezweifelbare Wahrheit« – »am deutschesten gedacht, gefühlt, geforscht, geschrieben, gelehrt, gelebt«.

Im Jahre 1882 kommt Borchardt mit seinen Eltern nach Berlin. Der Blick aus dem Fenster zeigt ihm diese Stadt als ein »formloses Provisorium«, so »als stiege die Stadt erst auf und wäre in ein ewiges ›Einstweilen‹ gestellt«. In der ersten Zeit gibt es außer den täglichen Spaziergängen im Tiergarten für das Kind nur wenig Abwechslung. Das im kafkaschen Sinne komplizierte Verhältnis zum Vater bestimmt seine Kindheit. Die unumschränkte Autorität des Vaters – »vielbeschäftigter Kaufmann, der abends heimkehrte wenn in der Kinderstube zu Nacht gegessen wurde« –, hat zur Folge, dass der Sohn späterhin resümiert, »daß ich nichts im Leben getan habe und geworden bin außer darum weil er wollte daß ich das Gegenteil täte und würde«.

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Judith Hermann hat im Waschhaus gelesen!

Eine gut gelaunte, auskunftbereite Judith Hermann hat am Dienstag Abend ihren Roman „Aller Liebe Anfang“ im Waschhaus vorgestellt. Und wann, wenn nicht jetzt ist klar geworden, was das für ein vielschichtiges Buch geworden ist, ein Roman-Kammerspiel der inneren wie äußeren Bedrohungen. Ein mitunter auch gruseliges Kabinettstück.
Danke Judith Hermann!

Fotos: Michael Lüder

 

Thomas Hettche war in der Villa Quandt zu Gast!

Fotos: © Michael Lüder