Buchempfehlung: Michel Houellebecq „Unterwerfung“

Literatur, kein Manifest!

von Carsten Wist

Ist es überhaupt möglich, den Roman von Michel Houellebecq „Unterwerfung“ nach den schrecklichen Ereignissen um „Charlie Hebdo“ in Paris unvoreingenommen zu lesen? Hat man nicht vielmehr auch das Gefühl, diesen Roman ohne Kenntnis einer Zeile durch die ungemein ausführliche und sich überschlagende Berichterstattung über Buch und Autor, bereits gelesen zu haben?

Deshalb gleich vorweg : „Unterwerfung“ ist für jeden Literaturinteressierten ein Muß. Michel Houellebecq hat einen großartigen Roman geschrieben, vielleicht sogar seinen besten, der ist von hoher literarischer Qualität, sprudelt vor geistvollen Einfällen, ist voller Phantasie und hat Ironie und Witz. Im Mittelpunkt steht Francois, ein Mittvierziger, ein Literaturwissenschaftler an der Pariser Sorbonne, der sich vorrangig mit dem französischen Autor der Dekadenz Karl-Joris Huysmans beschäftigt. Und so startet Houellebecq in seinem Roman gleich mit einer Breitseite gegen den entsetzlichen und immer geistloser werdenden Unibetrieb auf der einen Seite und einer übergroßen, hingebungsvollen Liebeserklärung an die Literatur und deren Möglichkeiten auf der anderen Seite. Weiterlesen