Buchempfehlung: John Williams „Butcher’s Crossing“

Schießen, Häuten, Nachladen

von Felix Palent

Nach „Stoner“ beschenkt uns dtv mit einem weiteren Buch von John Williams: „Butcher’s Crossing“. Ein rohes Buch, wild und doch zart, von Naturgewalten durchzogen. Es erzählt die Geschichte von vier Büffeljägern, die den Traum eines abgelegenen Tals träumen, in dem sie die Jagd ihres Lebens machen können.
Williams berichtet präzise von den Herausforderungen und Illusionen der Männer, er beobachtet sensibel deren innere Verwerfungen während der völligen Entgrenzung der Jagd. Hilflosere Autoren hätten aus dem titelgebenden Butcher (dt. Schlachter) eine Orgie aus Blut und Verwesung gemacht, doch John Williams war ein geduldiger Souverän. Er vertieft sich nicht nur in den Büffelblutrausch, sondern auch in die wilde Würde und Macht der riesigen Büffelherden, in die unermessliche Erhabenheit der Natur oder in die rohe Brutalität der Jäger.
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Buchempfehlung: Sybille Berg „Der Tag, als meine Frau einen Mann fand“

Nur die einfache Matratze

von Carsten Wist

Sibylle Berg ist wohl die zur Zeit derbste deutschsprachige Erregungsschreiberin von Romanen mit dem heftigsten Aufregungspotential. Die Berg nimmt kein Blatt vor den Mund, Tabus kennt sie nicht. Und so beginnt dann auch gleich ihr neues Buch „Der Tag, als meine Frau einen Mann fand“ mit einer, naja wenigstens kleinen sexuellen Selbsterregung: Rasmus fummelt gerade beim Schauen von Pornoseiten an sich herum, als er durch einen Telefonanruf von Chloe, seiner langjährigen Freundin, gestört wird. Sie möchtemit ihm chinesisch essen, doch ihm brennt immer der Magen davon. So wird schon auf den ersten beiden Seiten dieses Romans schnell klar, dass sich diese beiden ziemlich heftig im Beziehungsgestrüpp verheddert haben. Und das nun schon seit über 20 Jahren. Frau und Mann, ohne Kind – welch ein Grauen! Von dieser Beziehungshölle erzählen die beiden nun in steter Abwechslung in mehr kurzen als langen Kapiteln. Mal er, dann sie, dann wieder er, das geht schnell, ist mal fortlaufende Handlung, mal Rede- und Gegenrede. Er war einst erfolgreicher Theaterregisseur, inszenierte an großen Häusern, doch das ist lange her, nun versucht er sich an Projekten jenseits des großen Subventionierungsbetriebs. Sie jobbt in einem Antiquariat. Beide haben sich eingerichtet, das mit dem Sex hat noch nie so richtig hingehauen, doch vielleicht wird das erregte Rein und Raus ja auch auch maßlos überschätzt. Weiterlesen

Unsere Lesungen im Frühjahr 2015

25 Literaturladen
– Retrospektive –

25 Abende über unsere Lieblingsautoren und Lieblingsbücher
— immer Montags, immer 19 Uhr —

23. Februar / 1990 / Vorhang auf! Wist & Ressel, wie alles begann

02. März / 1991 / Thomas Bernhard

09. März / 1992 / Unsere Amerikaner: Paul Auster, Siri Hustvedt, Toni Morrison, Thomas Pynchon, Cormac McCarthy

16. März / 1993 / Christa Wolf

Lesung eXtra
20. März, 19 Uhr, Stadt- und Landesbibliothek
Thomas Brussig: „Das gibts in keinem Russenfilm“

23. März / 1994 / Heiner Müller

Lesung eXtra
25. März, 20 Uhr, Waschhaus
Alexander Osang: „Comeback“

30. März / 1995 / Frank Castorf

13. April / 1997 / Herta Müller

18. April / 2002 / Wolfgang Hilbig (mit Corinna Harfouch)

20. April / 1998 / Unsere Russen: Viktor Jerofejew, Wladimir Sorokin, Viktor Pelewin

27. April / 1999 / Thomas Brasch (mit Marion Brasch)

04. Mai / 2000 / Volker Braun liest aus seinem Werk

Lesung eXtra
05. Mai, Eine literarische Matinée mit dem Prix-Goncourt-Preisträger
Jérôme Ferrari und seinem neuen Roman „Das Prinzip“

11. Mai / 2001 / Michel Houellebecq

18. Mai / 1996 / David Foster Wallace


Buchempfehlung: T.C. Boyle „Hart auf Hart“

Die amerikanische Seele ist verhärtet

von Carsten Wist

Der 1948 geborene T. C. Boyle ist in vielen Jahrzehnten mit seinen unzähligen Romanen zu einem erzählerischen Schwergewicht in der amerikanischen Literatur geworden. Boyle ist ein süchtiger, ein geschichtensüchtiger Romancier, der nahezu besessen fast jedes Jahr mit einem seitenstarken Werk aufwartet. Soeben ist unter dem Titel „Hart auf hart“ sein neuestes Buch erschienen, mit dem er seine Chronik der amerikanischen Seelen- und Freiheitsgeschichte fortschreibt.
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