Buchempfehlung: John Williams „Butcher’s Crossing“

Schießen, Häuten, Nachladen

von Felix Palent

Nach „Stoner“ beschenkt uns dtv mit einem weiteren Buch von John Williams: „Butcher’s Crossing“. Ein rohes Buch, wild und doch zart, von Naturgewalten durchzogen. Es erzählt die Geschichte von vier Büffeljägern, die den Traum eines abgelegenen Tals träumen, in dem sie die Jagd ihres Lebens machen können.
Williams berichtet präzise von den Herausforderungen und Illusionen der Männer, er beobachtet sensibel deren innere Verwerfungen während der völligen Entgrenzung der Jagd. Hilflosere Autoren hätten aus dem titelgebenden Butcher (dt. Schlachter) eine Orgie aus Blut und Verwesung gemacht, doch John Williams war ein geduldiger Souverän. Er vertieft sich nicht nur in den Büffelblutrausch, sondern auch in die wilde Würde und Macht der riesigen Büffelherden, in die unermessliche Erhabenheit der Natur oder in die rohe Brutalität der Jäger.

„Butcher’s Crossing“ ist eine Parabel ohne Moral. Williams ergötzt sich nicht an der Erkenntnis der menschlichen Rohheit, sondern entwirft stattdessen ein gesellschaftspolitisches Panoptikum. Er seziert die Motivationsmomente jedes Einzelnen ohne die respektvolle Nähe zu den Figuren zu verlieren.

Wie bereits bei „Stoner“, so stellt sich auch beim Lesen von „Butcher’s Crossing“ das Gefühl ein, dass man dieses Buch nicht primär wegen des Sujets liest, sondern weil es John Williams geschrieben hat. Er veredelt diese Geschichte mit all seinem Können. Der atmosphärische wie kompositorische Stil erzeugt eine Lesegier, der man sich bis zum Ende der Jagd nicht entziehen kann.

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