Eine Feier für Christoph Ransmayr und für Wist

Der erste Abend nach dem Aufstieg von Wist – Der Literaturladen in die Champions League der acht besten deutschen Buchläden war eine Feier für Christoph Ransmayr, der Autor, für den Carsten Wist bereit gewesen wäre, sich zu ruinieren. Schön, dass wir jetzt 25 Jahre Wist erleben können, dass der Ruin in einer Parallelwelt geschah. K. Dieter Klebsch liest aus „Die letzte Welt“.

Christoph Ransmayr – Der Problemlöser

Christoph Ransmayr extemporiert verschnupft, doch blendend gelaunt

deutscher buchhandlungspreis 2015

Der Literaturladen ist besonders herausragend!

Der Play-Off-Bart ist abrasiert, die Entscheidung ist gefallen: Wist – Der Literaturladen ist eine von Deutschlands „besonders herausragenden Buchhandlungen“. In dieser Kategorie wurde uns einer der von Kulturstaatsministerin Monika Grütters ausgelobten Deutschen Buchhandlungspreise verliehen.
Damit ist der Literaturladen nun eine der acht besten Buchhandlungen des Landes. Oder anders gesagt: der Literaturladen spielt jetzt Euroleague!

 

25 Jahre Wist – Der Literaturladen – 25 Jahre Neugier

Es war ein wunderbares Jubiläumsfest am 4. September in der Reithalle in der Schiffbauergasse. Und es gab mehr als 25 Liebeserklärungen an einen Mann, der aus seiner Leidenschaft eine Profession machen konnte und Literatur vermitteln kann wie sonst kaum jemand. Glückauf! Auf weitere Jahre Literaturladen und Neugier; werden es nochmals 25 Jahre? Wer weiß. Carsten Wist hat jetzt einen jungen Compagnon, der weit mehr ist als ein „Klon“, Felix Palent.

Buchempfehlung: „Notizen aus der Tiefe“ / „Sonnenflecken, Schattenflecken“

Gelesen – und neu gelesen: Philippe Jaccottet

von Mathias Iven

Philippe Jaccottet, der vor neunzig Jahren in der Schweiz geborene und seit sechs Jahrzehnten in Frankreich lebende Schriftsteller, steht mit seiner poetischen Weltbetrachtung in der Tradition der Romantiker – und geht zugleich über sie hinaus. Er nähert sich seinen Themen immer wieder aufs Neue, hinterfragt jede einzelne Formulierung, zweifelt an der richtigen Wortwahl. Gelebte Erfahrung und Schreiben sind ihm Eins.

In seinen 1993 während einer Israelreise entstandenen Notizen heißt es: „Ich kann mich nicht damit zufriedengeben, Eindrücke, die so wenig vernünftig und so widersprüchlich sind oder jedenfalls so scheinen, einfach nur aufzuschreiben, ohne sie verstehen zu wollen.“ Die Komplexität des vor Ort Erlebten zeigte ihm die Grenzen seines Erkenntnisvermögens und ließ ihn zu dem Schluss kommen, dass seine Aufzeichnungen „auf weiten Strecken des Gegenstands nicht würdig [sind], dem sie sich nähern“. Er versuchte es dennoch – und scheiterte: „Ich gehe im Kreis, ganz offensichtlich, aber kann man etwas anderes tun im Kreis des eigenen Lebens, der eigenen Grenzen?“ Weiterlesen

Buchempfehlung: David Foenkinos „Charlotte“

Gegen Vergessen und Verstehen – Eine Erinnerung an die Malerin Charlotte Salomon

von Felix Palent

„Manche Leute ähneln Fragen, auf die es keine Antwort gibt.“

Der Bürgersteig vor dem Haus Wielandstraße Nr. 15 in Berlin ist gepflastert mit drei Stolpersteinen. Darauf die Namen: Paula, Albert und Charlotte Salomon. Datei:Stolperstein Wielandstr 15 (Charl) Charlotte Salomon.jpgDer französische Schriftsteller David Foenkinos hat diese glänzenden Weg- und Erinnerungsmarken nicht achtlos passiert, sondern ist stehen geblieben, ist über das Leben und die Bilder von Charlotte Salomon gestolpert und seitdem verfolgt von diesem Thema: Charlotte Salomon. 1917 in Berlin geboren, noch 1935 als Jüdin an der Staatsschule für Freie und Angewandte Kunst aufgenommen, 1939 schließlich nach Frankreich emigriert und doch 1943 in Auschwitz-Birkenau getötet.

Foenkinos Interesse wurde durch die Zeichnungen zum Buch Leben? Oder Theater? geweckt. Zwischen 1940 und 1942 malt Charlotte Salomon 1325 expressionistische Gouachen, von denen sie etwa 800 auswählt und mit zahlreichen Texten zu dem Band Leben? Oder Theater? zusammenfasst. Diese Zeit der künstlerischen Inspiration ist das Zentrum des Buches, auf diesen Moment läuft alles hinaus, auch weil es der wertvollste im Leben von Charlotte Salomon ist, ihr Vermächtnis, ihre Spur in der Erinnerung: Weiterlesen