Hommage an Fritz J.

Wist – Der Literaturladen hat Fritz J. Raddatz, den „elegantesten Bonvivant des Literaturlebens der vergangenen 60 Jahren“ in seine Hall of Fame aufgenommen. Champagner war dabei obligatorisch und ein Vergnügen.

Udo Stähler blickt auf den Abend zurück:

„Diesen Montag haben Sie Fritz J. Raddatz in Ihre Hall of Fame aufgenommen. Ein gelungener Festakt. Wenn Sie in der Ankündigung schreiben, „ den elegantesten Bonvivant des Literaturlebens der vergangenen 60 Jahre in unsere Hall of Fame auf(zunehmen)“ , grinsen bereits die doppelzüngigen Dandyjäger; doch rechtzeitig die Kurve gekriegt: „stets bereicherte er wortgewandt wie intellektuell den Diskurs.“ Sein Mantra war Authentizität; dazu gehörte Stil, Unerbittlichkeit und Übertreibung. Von der Gästebewirtung „Champagner im Wohnzimmer, dann das Abendessen im Esszimmer, dann Käse und Rotwein wieder im Wintergarten“(Alexander Fest) über gnadenlose Brandmarkung vermeintlich bigotter Scheinheiligkeiten in seiner Kritik an „Das Boot“ bis zur Eiweißvergiftung in Cölln’s Austernkeller beim Einstellungsgespräch mit Theo Sommer. Das hat keiner ausgehalten. Und die so Leidenden haben es ihm wegen des läppischen „Goethe ohne Bahnhof“ heimgezahlt: durch Schweigen oder brüllende Häme.

Immer wieder ertappte ich mich dabei, mir vorzustellen, wie dieser Festakt in sein „Nachtbuch“ gekommen worden wäre. Es hätte ihn vermutlich gerührt, dass alles ehrlich war und das Getränkeangebot auf seine Vorlieben Rücksicht nahm; auch wenn Sie Ihren Lesern keinen Kaviar angeboten haben ;-). Veröffentlicht hätte er es nicht: Die Anerkennung als Schriftsteller durch Wist – Der Literaturladen hätte niemanden aufgeregt.“

Nacht- und Taggedanken von Fritz J. finden Sie in unserer Kategorie „Der tägliche Fritz“.

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