Von Jon Fosse

Betreff:
Von: Jon Fosse
Datum: 21.06.2016 06:02
An: info@wist-derliteraturladen.de

Dear Carsten Wist and Felix Palent
Thank you very much for your kind, and dare I say, wise words! It is difficult for me to see the closeness to nature, and the quietness, in my writing, but I really hope you are right.

To take care of myself (in a way) I for some years have completely stopped travelling to do readings, interview on stage, to opening-nights. This was a wise decision, I am sure about, and I stick to it. So I am sorry: I will not come to your Fosse-evening. But I am sure that Hinrich, who knows my writing (and even me) very well, will represent me in the best way possible.

Hinrich is so to say my German voice, and his voice is crucial to the experience of my writing in German.
I am both thankful and honoured by you words and your invitation, so I feel a bit shamed not to accept it, but I hope for your understanding: after some twenty years of intensive travelling, the wisest I could do was to stop travelling.
All the best,
Jon Fosse

Ein Brief an Jon Fosse

Wist – Der Literaturladen
Dortustraße 17
14467 Potsdam

An
Jon Fosse

Potsdam, den 20. Juni 2016

Lieber Jon Fosse,

wir haben das Paket mit Ihrem neuen Buch Trilogie ausgepackt und unverzüglich den Spagat versucht: so schnell und gleichzeitig so intensiv wie möglich diese neuen Texte nicht nur zu lesen, sie auch zu genießen. Im Ergebnis steht nun Ihr neues Buch ganz vorn in unserem Literaturladen. Einem Ort, an dem sich Leser und Autoren begegnen, an dem ein neues Buch von Ihnen als eines der großen Ereignisse gefeiert wird! Wir sind zwei Literaturenthusiasten, die aus Überzeugung und Leselust die Lebendigkeit der Literatur pflegen.

Und Fosse lesen gehört für uns zum Gepflegtesten, was sich der lesende Menschen gönnen kann. Eine solche schlichte Eleganz spricht aus Ihren Texten, die im Grunde nur mit der einfachen Schönheit der Natur zu vergleichen ist. So tröstlich und beruhigend wie ein Blick in eine Landschaft, so ist es auch Ihre Literatur zu lesen. Sie strahlt eine so starke Ruhe aus, die uns Leser mit dem verbindet, was gemeinhin „Leben“ genannt wird.

Lieber Herr Fosse, obwohl wir um Ihre Zurückgezogenheit wissen, möchten wir es doch nicht versäumen, Sie einzuladen. Allein um Sie wissen zu lassen, dass wir Sie lesen, dass hier in Potsdam ein Literaturladen existiert, dem das Erscheinen eines neuen Buches von Jon Fosse ein Fest ist.

Zum 4. Oktober haben wir Ihren Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkel eingeladen. Mit ihm gemeinsam möchten wir einen Jon Fosse-Abend feiern, über ihre Prosa, Stücke und Gedichte sprechen und sie lesen. Es wird eine Feier der konzentrierten Literatur, ein Fest der Worte, der rhythmisierten Stille.

Bitte betrachten Sie dies sowohl als eine ständige Einladung in den Literaturladen, als auch als Lesebekenntnis: Wir lesen Fosse!

Mit freundlichen literarischen Grüßen,

Carsten Wist & Felix Palent

 

Buchempfehlung: Eckart Kröplins Wagner-Chronik

Richard Wagner in Potsdam

von Mathias Iven

Ja, er war tatsächlich in unserer Stadt. Auch wenn man fairerweise sagen muss, dass sein Besuch nicht den von ihm erhofften Erfolg hatte. Doch der Reihe nach.

Die Villa Tieck in der Schopenhauerstraße

Ludwig Tieck, ein extrem produktiver Autor, der in seinem 50. Lebensjahr bereits auf eine 28-bändige Ausgabe seiner Werke verweisen konnte, kam 1842 auf Einladung von Friedrich Wilhelm IV. nach Berlin. Nach mehr als zwei Jahrzehnten in Dresden bezog der „König der Romantik“, wie er respektvoll genannt wurde, in seiner Geburtsstadt repräsentative Räume in der Friedrichstraße und wurde vom preußischen König mit einem großzügigen Gehalt ausgestattet. Für die Sommermonate stellte man ihm die nach Entwürfen von Ludwig Persius 1845/46 umgestaltete Villa in der heutigen Schopenhauerstraße 24 in Potsdam zur Verfügung. Einzige Bedingung: Tieck hatte zur Unterhaltung des Königs im Theater des Neuen Palais den einen oder anderen Schauspielklassiker zu inszenieren.

Auch Richard Wagner konnte sich der Anziehungskraft der preußischen Hauptstadt nicht verschließen. Im Herbst 1847 blickte er auf eine fünfjährige, von Spannungen begleitete Tätigkeit als Königlich-Sächsischer Kapellmeister am Dresdener Hof zurück. Er suchte nach einer neuen Herausforderung und hoffte, sein zukünftiges Tätigkeitsfeld in Berlin zu finden. Die dort geplante Aufführung seines „Rienzi“ sollte die Eintrittskarte sein, schließlich hatte ihm diese Oper 1842 zum musikalischen Durchbruch verholfen. Doch der ansonsten so kunstsinnige Friedrich Wilhelm IV. schien an Wagner und dessen Musik keinerlei Interesse zu haben. Weiterlesen

Stewart O’Nan war im Waschhaus zu Gast

Gemeinsam mit der Moderatorin Sigrid Löffler und der deutschen Stimme K.Dieter Klebsch stellte Stewart O’Nan seinen neuen Roman „Westlich des Sunset“ im Waschhaus vor.

Fotos: Michael Lüder