Das Lesungsfrühjahr 2018

Die Lesungen im Frühjahr 2018

Donnerstag, 08.Februar | 19.30 Uhr
Literaturladen on Tour im Thalia Filmtheater
Lesung eXtra
Daniel Kehlmann „Tyll“

Montag, 19.Februar | 19 Uhr
Lesung eXtra
Vorabpremiere des neuen Romans von
André Kubiczek „Komm in den totgesagten Park und schau“

Montag, 26.Februar | 19 Uhr
Blauer Salon | THEATER THEATER
Tobias Schwartz / Virginia Woolf „Bloomsbury.Freshwater“

Montag, 05.März | 19 Uhr
Blauer Salon | SCHWERGEWICHTE
Meine geniale Freundin I – IV

Ein Abend mit Karin Krieger, der deutschen Stimme von Elena Ferrante

Dienstag, 13.März | 19 Uhr 
Lesung eXtra
Szczepan Twardoch „Der Boxer“

Montag, 19.März | 19 Uhr
Blauer Salon | Papierfriedhof
Ein Abend zur Leipziger Buchmesse

Montag, 26.März | 19 Uhr
Blauer Salon 
vino e literatura –
Ein Abend zu 25 Jahren „Weinhandlung In Vino“

 

Weitere Lesungen folgen nach Ostern …

 

              Die Lesungen beginnen um 19 Uhr.
     Wist  –  Der  Literaturladen  |  Dortustr.  17  |  Tel.
     2800452  |  www. / info@wist-derliteraturladen.de

Buchempfehlung: Die Andere Bibliothek präsentiert Marcel Proust und Ricarda Huch


Zurück zu den Quellen!

von Mathias Iven

Als am 14. November 1913 „Du côté de chez Swann“, der erste Band von Prousts Jahrhundertwerk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, in die Buchhandlungen kam, ahnte niemand etwas von der Vorgeschichte dieses Romans. Zwar konnte man in späteren Jahren die zeitlichen Abläufe der Drucklegung anhand von Prousts Korrespondenz rekonstruieren, doch welche inhaltlich-stilistischen Änderungen es auf dem Weg vom Manuskript bis hin zum Buch gab, ließ sich nur vermuten. Einzig die von Proust bearbeiteten Druckfahnen hätten darüber Auskunft geben können, doch diese schienen auf ewig verloren. Und so glich es einem Wunder, als sie im Juli 2000 bei einer Versteigerung in London der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Fast sieben Jahrzehnte waren sie im Besitz eines Sammlers, der sie von Marthe Dubois-Amiot, der Frau von Prousts 1935 verstorbenem Bruder Robert, erworben hatte.

Eine Buchausgabe ließ nicht lange auf sich warten. In einer luxuriösen Faksimile-Edition veröffentlichte der Verlag Gallimard 2013 zunächst die Urfassung von „Combray“, dem ersten Teil von „Du côté de chez Swann“. Dass dieser Text, der 29 von insgesamt 51 überlieferten Druckfahnen umfasst, jetzt auch auf Deutsch vorliegt, ist nicht nur dem Mut des Verlegers zu danken, sondern vor allem der Leistung des in Zürich lebenden Übersetzers Stefan Zweifel. Weiterlesen

Buchempfehlung: John Fantes und John Williams‘ Debütromane

Das Erscheinen zweier Autoren, posthum nacherzählt

von Felix Palent

Debütanten sind zittrige Wesen. Angespannt von Schaffenskraft und trotzdem leicht zu verunsichern. Reaktionen auf Debütmanuskripte wollen daher wohldurchdacht sein. Es genügt ein falsches Wort und die Überzeugung des Autors wird von Zweifel und Verdruß aufgezehrt. Es braucht ein ordentliches Maß an Selbstwertgefühl, um einer ersten Absage mit weiteren Einsendungen zu begegnen. Erst recht, wenn positive Resonanz auch danach weiter ausbleibt.

John Fante steckte im Sommer 1936 drei schwere Wirkungstreffer ein – „eher langweilig“, „ausgesprochen große Enttäuschung“ und „extrem provokativ … aber leider nicht für uns“. Nach einem kurzen Arbeitstrotz beförderte er sein Manuskript schließlich doch in die Schublade. Er war damals 25 Jahre alt und hielt sich mit Niederlagen nicht lange auf. Darin glich er wahrscheinlich Arturo Bandini, dem Helden seines nun erstmals auf Deutsch erschienenen Debütromans „Der Weg nach Los Angeles“. Dieser Bandini ist das, was man sich heute gemeinhin unter einem Teenager vorstellt: Ein naives Großmaul, charmant überheblich, grenzenlos leidenschaftlich, immer in Bewegung. Bandinis Welt ist unmissverständlich um ihn selbst zentriert. Er wächst in einem Umfeld verwahrloster Armseligkeit auf, der Vater ist tot, die Mutter arbeitslos, die Schwester strebt nach katholischem Nonnentum. Einzig der 18-jährige Arturo schlägt sich durch verschiedenste Hilfsarbeiterjobs. Doch ein echter Arturo Bandini spürt keinen Schmerz, keinen Druck, keine existentielle Schwere. Nein, ein echter Arturo Bandini sprüht vor gewitztem Tatendrang. Er liest Schopenhauer und Nietzsche (zweifelt in keinem Moment an seiner schriftstellerischen Ebenbürtigkeit), sucht das Direkte, das Spontane. Er ist ein empfindsamer Abenteurer, ein sanfter Draufgänger. Plötzlich hat er lust sich mit einer Rasierklinge die Haut aufzuschlitzen: „Ich holte eine Rasierklinge aus dem Medizinschrank und schnitt mich in den Unterarm – nicht allzu tief, so dass es nur blutete, aber nicht wehtat. Ich saugte an dem Schnitt. Weil ich noch immer keinen Schmerz fühlte, holte ich Salz und rieb es in die Wunde, und das tat richtig weh. Ich fühlte, wie mir das Salz ins Fleisch biss, wie mich der Schmerz befreite und mich zu neuem Leben erweckte. Ich rieb immer weiter, bis ich es nicht mehr aushiehlt.“ Weiterlesen