Der Blaue Salon am Montag: 100 Jahre Oktoberrevolution

DER BLAUE SALON
Vom Traum zum Terror – 100 Jahre Oktoberrevolution
Ein Abend mit Mathias Iven

Montag, 06. November, 19 Uhr
Ort: Wist – Der Literaturladen

Ein Schuss aus der Bugkanone des Militärkreuzers Aurora gab das Signal für den Sturm auf das Winterpalais. Es war eine Platzpatrone. Dieser Schuss war Schrecken erregend.
Aus Anlass des einhundertsten Jahrestages der Russischen Oktoberrevolution erkunden wir den Hallraum in der Literatur, der von dieser Revolution ausgeht. Solschenizyn, Trotzki, Hippius, Roth, Zweig, Merridale, Sebestyen, Bunin, Sawinkow u.a.

 

Der literarische Leseherbst 2017

Die Lesungen im Herbst 2017

Montag, 11.September | 19 Uhr
Lesung eXtra
Michael Schindhelm „Letzter Vorhang“

Donnerstag, 21.September | 19 Uhr
Lesung eXtra
Roland Schimmelpfennig „Die Sprache des Regens“

Montag, 9.Oktober | 19 Uhr
Blauer Salon | SCHWERGEWICHTE
Ein Abend zu Richard Fords  „Bascombe“ -Trilogie

Montag 16.Oktober | 19 Uhr | Stadt- und Landesbibliothek
Literaturladen on Tour
Ingo Schulze „Peter Holtz“

Montag, 23.Oktober | 19 Uhr 
Blauer Salon | PAPIERFRIEDHOF
Ein Abend zur Frankfurter Buchmesse

Mittwoch, 1.November | 19 Uhr
Blauer Salon
Tour de France littéraire – Ein Abend zur Französischen Literatur
mit den Übersetzern Hinrich Schmidt-Henkel und Frank Heibert

Montag, 6.November | 19 Uhr
Blauer Salon 
Vom Traum zum Terror – 100 Jahre Oktoberrevolution
Ein Abend mit Mathias Iven

Freitag, 10.November | 19 Uhr
Blauer Salon
Zum Erscheinen des neuen Romans von Peter Handke
Schauspieler, Autoren, Verleger, Leser und Fans lesen „Die Obstdiebin – oder – Einfache Fahrt ins Landesinnere“

Montag, 13.November | 19 Uhr
Blauer Salon
Buchsaiten – Der Sound von Virginie Despentes‘ „Vernon Subutex“
Ein Abend mit Freddie Dreamer

Montag, 20.November | 19 Uhr
Blauer Salon 
„Guten Morgen, du Schöne“ –
Ein Abend für Maxie Wander mit Jutta Wachowiak

Mittwoch, 22.November | 19 Uhr | Waschhaus Potsdam
Literaturladen on Tour
Jana Hensel „Keinland“

Mittwoch, 29.November | 19 Uhr
Lesung und Preisverleihung Der Kleine Hei 2017
Simon Strauss „Sieben Nächte“

              Die Lesungen beginnen um 19 Uhr.
     Wist  –  Der  Literaturladen  |  Dortustr.  17  |  Tel.
     2800452  |  www. / info@wist-derliteraturladen.de

Buchempfehlung: Adolf Muschg „Der weisse Freitag“

Anlässlich von Goethes 268. Geburtstag am 28. August 2017

eine Rezension von Mathias Iven

Auf der Suche nach einem gelingenden Leben

Drei Mal reiste Goethe in die Schweiz. Im Sommer 1775 wollte er nicht nur den gesellschaftlichen Zwängen seines bisherigen Lebens in Frankfurt entfliehen, er war vor allem auf der »Suche nach einem Land, wo zwangloser zu leben war und der Adel der Seele mehr galt als derjenige der Geburt«. Zugleich stellte er sich aber auch die Frage »Wer bin ich?«. Die zweite Reise, vier Jahre darauf, war gleichfalls eine von Zweifeln überschattete Flucht: »Was soll ich in Weimar, was habe ich in der Welt verloren?« Goethes Weg zu einem selbstbestimmten Leben, zu einer tragfähigen Identität schien in eine Sackgasse geraten zu sein. Ganz anders 1797. Der fast Fünfzigjährige reiste jetzt als Staatsmann und arrivierter Künstler. Geleitet wurde er ausschließlich von dem »Bedürfnis nach Vergewisserung seiner selbst«.

Adolf Muschg, ausgewiesener Kenner von Goethes Werk, hat sich bereits vor über einem Jahrzehnt mit dessen Schweizer Reisen beschäftigt. In seinem jüngst erschienenen Buch »Der weiße Freitag« ist er noch einmal darauf zurückgekommen. Doch dieses Mal geht es nicht mehr allein um Goethe, sondern vor allem um Muschg selbst. Eine neuerliche Krebs-Diagnose, ein Treppensturz, ein Krankenhausaufenthalt – all dies war innerhalb weniger Monate zusammengekommen. Im Spital gibt ihm der elfte Band der 1808 bei Cotta erschienenen Goethe-Ausgabe, enthaltend die »Briefe aus der Schweiz«, das Gefühl, »in einer klinischen Umgebung auf vertrautem Boden zu stehen«. Weiterlesen

Buchempfehlung: Lorenz Jägers Benjamin-Biographie

»Der Sommer rückte mich an die Hohenzollern heran.«

von Mathias Iven

Es gibt – wie sollte es bei so einem wichtigen Denker anders sein – schon einige, dem Leben von Walter Benjamin gewidmete Biographien. Die jüngste, sehr lesenswerte Arbeit stammt von Lorenz Jäger, ehemals Leiter des Ressorts Geisteswissenschaften der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Mit seiner Darstellung erhebt Jäger den Anspruch, »Benjamins Entscheidungen in jeder Lebensepoche nachzuzeichnen – die religiösen, die philosophischen, die ästhetischen und die politischen«. Ausgangspunkt ist ihm dabei das familiäre Umfeld.

Durch die Anstellung des Vaters im Berliner Kunstauktionshaus Lepke kam Walter Benjamin schon früh mit den Fragen nach Original, Kopie, Fälschung oder Reproduktion in Berührung. Jäger sieht hier den entscheidenden Ansatz für Benjamins Überlegungen zum Begriff der »Aura«, der erstmals im Dezember 1927 in den zu seinen Lebzeiten unveröffentlichten »Protokollen zu Drogenversuchen« auftauchte und bis heute – zumal durch die Verwendung in unterschiedlichen Kontexten – zu den am meisten diskutierten, wenn auch nicht von ihm, sondern aus der mystischen Tradition stammenden Begrifflichkeiten in Benjamins Werk gehört. – So charakterisierte er in dem 1931 publizierten Artikel »Kleine Geschichte der Photographie« und in seinem großen, 1936 in der »Zeitschrift für Sozialforschung« erschienenen Aufsatz »Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit« die Aura als ein »sonderbares Gespinst von Raum und Zeit: einmalige Erscheinung einer Ferne, so nah sie sein mag«. Und in seiner Arbeit »Über einige Motive bei Baudelaire« ergänzte er 1939: »Die Aura einer Erscheinung erfahren, heißt, sie mit dem Vermögen belehnen, den Blick aufzuschlagen.« Oder anders ausgedrückt: es geht um die Echtheit, Einmaligkeit und zugleich Unnahbarkeit von Objekten und ihrer Wahrnehmung.
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Buchempfehlung: Einblicke in das Leben Constantin Brunners

Denken mit dem Blick auf die Havel

von Mathias Iven

In einem der jüngsten Bände der von Hermann Simon im Verlag Hentrich & Hentrich herausgegebenen Reihe »Jüdische Miniaturen« stellt der Philosoph und Schopenhauer-Biograph Robert Zimmer eine fast schon vergessene, mit Potsdam in Beziehung stehende Geistesgröße vor: Constantin Brunner.

Der 1862 in Altona als Arjeh Yehuda Wertheimer geborene Brunner gehörte im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts zu den bekannten Intellektuellen in Deutschland. Nach einer abgebrochenen Ausbildung am jüdischen Lehrerseminar in Köln studierte er ab 1884 zunächst in Berlin und dann in Freiburg Philosophie und Geschichte. Zu seinen Lehrern gehörten u.a. Wilhelm Dilthey und Paul Deussen sowie Alois Riehl, der ihn maßgeblich prägte. 1890 beendete er seine Studien, ohne einen akademischen Abschluss erlangt zu haben. Brunner kehrte nach Hamburg zurück und eröffnete dort ein »Litterarisches Vermittlungsbüro«, das Schriftstellern bei der Verwertung ihrer Werke helfen sollte. In den kommenden vier Jahren war er zugleich Mitherausgeber einer Zeitschrift. Das in dieser Zeit für seine Artikel von ihm häufig benutzte Pseudonym »Constantin Brunner« sollte er später als bürgerlichen Namen eintragen lassen. Weiterlesen

Buchempfehlung: Prominente in Potsdam

»… daß gantze Eylandt mus ein paradis werden …«

Potsdamer Berühmtheiten im Blick

von Mathias Iven

Vor gut zehn Jahren hat der be.bra verlag die Reihe „Prominente in …“ begonnen. Zunächst beschränkte man sich auf Berlin. Es erschienen Bände zu den Stadtbezirken Dahlem, Lichterfelde, Pankow, Friedenau, Wannsee, Grunewald und Westend. 2015 ging man über die Grenzen der Hauptstadt hinaus und präsentierte Dresdner Prominente. Und nun: Potsdams Berühmtheiten.

Der seit 1995 in Berlin lebende Stuttgarter Gerhard Drexel hat die Landeshauptstadt und ihre Geschichte gründlich studiert. Beginnend in der Bronzezeit führt er seine Leser zunächst durch die Jahrhunderte und zeichnet auf knapp 30 Seiten die wichtigsten Stationen der Stadtentwicklung bis in die heutige Zeit nach. Dass er der Babelsberger Filmindustrie dabei ein eigenes Kapitel widmet, ist mit Blick auf mehr als 100 Jahre Filmgeschichte nur zu verständlich. Weiterlesen

Buchempfehlung: Die Briefe und Buchbesprechungen von Hermann Hesse

»So freue ich mich auf die Lektüre sehr … «
Hermann Hesse schreibt an und über Hans Fallada

von Mathias Iven

Jüngste Schätzungen besagen, dass Hermann Hesse bis zu 40.000 Briefe in seinem Leben geschrieben haben soll. Einer der besten Kenner dieser Hinterlassenschaft ist Volker Michels. Im Rahmen der von ihm herausgegebenen, auf zehn Bände angelegten Edition der Gesammelten Briefe erschien unlängst der mittlerweile vierte Band, der Schreiben aus den Jahren 1924 bis 1932 versammelt.

Für Hesse, der seit 1919 im Schweizerischen Montagnola lebte, waren es Jahre des »Werdens und der Wandlungen« – vor allem im privaten Bereich. 1923 trennte er sich von seiner Frau Mia, schon im Jahr darauf heiratete er in zweiter Ehe die Sängerin und Malerin Ruth Wenger. Nur drei Jahre sollte diese Verbindung halten. In einem kurz nach Erhalt der Scheidungsklage im März 1927 geschriebenen Brief war zu lesen: „Der Beweis, daß man mit einem Menschen wie mir unmöglich leben könne, und daß ich durch und durch minderwertig und lebensunfähig sei, wurde der Frau [Ruth Wenger] nicht schwer – ihre Klageschrift besteht zum weitaus größten Teil aus Stellen meiner eigenen Schriften, dem Kurgast, der Nürnberger Reise etc.“ – Ein drittes Mal trat Hesse 1931 vor den Traualtar: Ninon Dolbin sollte bis zu Hesses Tod im Jahre 1962 an dessen Seite bleiben. Weiterlesen

Buchempfehlung: Hannah Arendt „Schreib doch mal ‚hard facts‘ über dich“

Zwei Philosophen in Nowawes

Der Briefwechsel zwischen Hannah Arendt und Günther Anders

von Mathias Iven

Am 26. September 1929 gaben sie sich im Standesamt von Nowawes, dem heutigen Kulturhaus Babelsberg, das Jawort. Die Rede ist von Hannah Arendt und Günther Stern, der seit Anfang der dreißiger Jahre seine Artikel unter dem heute bekannteren Namen „Günther Anders“ veröffentlichte. Nur wenige Wochen zuvor hatten die beiden eine kleine Wohnung in der damals zu Nowawes gehörenden Merkurstraße bezogen. Bereits im Frühjahr 1930 übersiedelte das Paar nach Frankfurt am Main, später zogen sie nach Berlin. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierten sie nach Paris.

Acht Jahre lang waren sie verheiratet. Im September 1937 – Anders lebte inzwischen in den USA – wurde die Ehe aufgehoben. In den Unterlagen dazu findet sich die lapidare Bemerkung: „Durch das am 8. September 1937 rechtskräftig gewordene Urteil des Landgerichts in Berlin ist die Ehe zwischen Günt[h]er Siegmund Stern und der Johanna Stern, geborene Arendt geschieden worden.“ Weiterlesen

Buchempfehlung: Eckart Kröplins Wagner-Chronik

Richard Wagner in Potsdam

von Mathias Iven

Ja, er war tatsächlich in unserer Stadt. Auch wenn man fairerweise sagen muss, dass sein Besuch nicht den von ihm erhofften Erfolg hatte. Doch der Reihe nach.

Die Villa Tieck in der Schopenhauerstraße

Ludwig Tieck, ein extrem produktiver Autor, der in seinem 50. Lebensjahr bereits auf eine 28-bändige Ausgabe seiner Werke verweisen konnte, kam 1842 auf Einladung von Friedrich Wilhelm IV. nach Berlin. Nach mehr als zwei Jahrzehnten in Dresden bezog der „König der Romantik“, wie er respektvoll genannt wurde, in seiner Geburtsstadt repräsentative Räume in der Friedrichstraße und wurde vom preußischen König mit einem großzügigen Gehalt ausgestattet. Für die Sommermonate stellte man ihm die nach Entwürfen von Ludwig Persius 1845/46 umgestaltete Villa in der heutigen Schopenhauerstraße 24 in Potsdam zur Verfügung. Einzige Bedingung: Tieck hatte zur Unterhaltung des Königs im Theater des Neuen Palais den einen oder anderen Schauspielklassiker zu inszenieren.

Auch Richard Wagner konnte sich der Anziehungskraft der preußischen Hauptstadt nicht verschließen. Im Herbst 1847 blickte er auf eine fünfjährige, von Spannungen begleitete Tätigkeit als Königlich-Sächsischer Kapellmeister am Dresdener Hof zurück. Er suchte nach einer neuen Herausforderung und hoffte, sein zukünftiges Tätigkeitsfeld in Berlin zu finden. Die dort geplante Aufführung seines „Rienzi“ sollte die Eintrittskarte sein, schließlich hatte ihm diese Oper 1842 zum musikalischen Durchbruch verholfen. Doch der ansonsten so kunstsinnige Friedrich Wilhelm IV. schien an Wagner und dessen Musik keinerlei Interesse zu haben. Weiterlesen

Buchempfehlung: Efrat Gal-Ed über Itzik Manger

Wie Schlangen laufen Schienen in die Welt hinaus …“

von Mathias Iven

so heißt es gleich zu Beginn von Itzik Mangers „Ballade meiner Kindheit“. Eine revidierte und erweiterte Neuausgabe seiner Gedichte ist soeben erschienen und lädt dazu ein, einen der größten jiddischen Dichter zu entdecken …

Gal-Ed, NiemandsspracheManger, Dunkelgold

Mehr als ein Jahrzehnt hat die als Malerin und Autorin in Köln lebende und an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf lehrende Efrat Gal-Ed an einem Buch über ihn gearbeitet. Zwar spricht Gal-Ed bescheiden von einem „ersten Versuch einer kritischen Biographie“, doch die vor allem auf zahlreichen bisher unzugänglichen Dokumenten beruhende, mit fast 800 Seiten monumental zu nennende Darstellung wird wohl lange Zeit als Standardwerk zu gelten haben. Weiterlesen