Simon Strauß hat den den Kleinen Hei 2017 entgegengenommen

 

Fotos: Michael Lüder

Simon Strauß erhält den Kleinen Hei 2017

Lesen Sie, lesen Sie nachts, lassen Sie sich anstiften!

Die Idee ist eher konventionell, ihre Umsetzung jedoch geht ins Mark. Sieben Nächte, sieben Herausforderungen, sieben Todsünden. Der Anstoß für Simon Strauß ist eine Angst vor dem allzu glatten, widerstandslosen Leben, der Langeweile der Konvention, ja quasi dem smarten Lotuseffekt der Seele. Strauß ist Ehrgeizig, gebildet, hat gesellschaftliche Privilegien genossen – und fürchtet sich nun vor dem Erwachsenwerden, vor Stress-Gesprächen und Babybrei, vor Konferenzen, Eheverträgen und Spa-Wochenenden im Mai. „Deshalb diese Nacht. Deshalb dieses Schreiben. Der einzige Kampf, der jetzt noch lohnt, ist der ums Gefühl.“ Er fürchtet sich vor seinem zukünftigen Selbst, vor Besserwisserei, vor zynischer Distanz und dem doppelten Boden der Ironie. Wenn es so geradlinig weiter geht wie bisher, dann wird aus dem Sympathiesüchtigen ein gefühlloses Gewohnheitstier. Konventionelle, trockene Sicherheit, stets wohltemperiert und bequem, ohne Sehnsucht, ohne Drang.

Simon Strauß geht also einen Pakt mit einem mephistophelischen Jemand ein, der genau weiß, was Strauß fehlt. Immer um sieben Uhr abends wird Strauß auf einen Todsünden-Streifzug durch die Stadt geschickt. „Auf dass du eine findest, in der du dich wohlfühlst. Oder dich für immer von ihnen abkehrst“, das ist die teuflische Fallhöhe, der Einsatz in diesem sündigen Spiel. Suche nachts nach dem begeisternden, glühenmachenden Sturm, aber schreib wenn der Morgen graut, bis sieben Uhr sieben Seiten, jedes mal.

Sieben Nächte“ ist eine Art modernes Rittermärchen, nur dass es keine Prinzessin zu erobern gilt, sondern wildes Denken, Reibung, Utopie. Was für ein Ritter Simon Strauß im Morgengrauen der siebten Nacht ist – ob ein stolzer, selbstgewisser, siegreicher oder eher einer der traurigen Gestalt – sehen Sie am 29. November im Literaturladen. An diesem Abend kommt er nach Potsdam und nimmt den Kleinen Hei 2017 in Empfang für sein Ringen um Empfindung, Anteilnahme und Begeisterung, für sein Bekenntnis zur Abenteuerlust, zum Mut wie auch zur Angst. Lesen Sie dieses Buch, lesen Sie es nachts, lassen Sie sich anstiften!

Lesung eXtra
Preisverleihung und Lesung Der Kleine Hei 2017
Simon Strauß „Sieben Nächte“
Mittwoch, 29.11.2017, 19 Uhr
Ort: Wist – Der Literaturladen
Eintritt: 5€

 

Der literarische Leseherbst 2017

Die Lesungen im Herbst 2017

Montag, 11.September | 19 Uhr
Lesung eXtra
Michael Schindhelm „Letzter Vorhang“

Donnerstag, 21.September | 19 Uhr
Lesung eXtra
Roland Schimmelpfennig „Die Sprache des Regens“

Montag, 9.Oktober | 19 Uhr
Blauer Salon | SCHWERGEWICHTE
Ein Abend zu Richard Fords  „Bascombe“ -Trilogie

Montag 16.Oktober | 19 Uhr | Stadt- und Landesbibliothek
Literaturladen on Tour
Ingo Schulze „Peter Holtz“

Montag, 23.Oktober | 19 Uhr 
Blauer Salon | PAPIERFRIEDHOF
Ein Abend zur Frankfurter Buchmesse

Mittwoch, 1.November | 19 Uhr
Blauer Salon
Tour de France littéraire – Ein Abend zur Französischen Literatur
mit den Übersetzern Hinrich Schmidt-Henkel und Frank Heibert

Montag, 6.November | 19 Uhr
Blauer Salon 
Vom Traum zum Terror – 100 Jahre Oktoberrevolution
Ein Abend mit Mathias Iven

Freitag, 10.November | 19 Uhr
Blauer Salon
Zum Erscheinen des neuen Romans von Peter Handke
Schauspieler, Autoren, Verleger, Leser und Fans lesen „Die Obstdiebin – oder – Einfache Fahrt ins Landesinnere“

Montag, 13.November | 19 Uhr
Blauer Salon
Buchsaiten – Der Sound von Virginie Despentes‘ „Vernon Subutex“
Ein Abend mit Freddie Dreamer

Montag, 20.November | 19 Uhr
Blauer Salon 
„Guten Morgen, du Schöne“ –
Ein Abend für Maxie Wander mit Jutta Wachowiak

Mittwoch, 22.November | 19 Uhr | Waschhaus Potsdam
Literaturladen on Tour
Jana Hensel „Keinland“

Mittwoch, 29.November | 19 Uhr
Lesung und Preisverleihung Der Kleine Hei 2017
Simon Strauss „Sieben Nächte“

              Die Lesungen beginnen um 19 Uhr.
     Wist  –  Der  Literaturladen  |  Dortustr.  17  |  Tel.
     2800452  |  www. / info@wist-derliteraturladen.de

Der kleine Hei
Literaturpreis von Wist – Der Literaturladen

Seit 2003 vergebe ich einen ladeneigenen Literaturpreis für das „interessanteste“ Buch des Jahres, der mit 500€ dotiert ist. Die Auswahlkriterien sind radikal subjektiv, Hauptsache das Buch ist neu erschienen und der Autor noch nicht arriviert.

Der Name des Preises Der Kleine Hei ist entstanden, als mein gerade geborener Sohn Heinrich von seinen größeren Brüdern immer „der kleine Hei“ genannt wurde. Diese persönliche Verbindung im Zusammenspiel mit der Assoziation zum Haifisch, der noch wachsen muss, um dann hoffentlich im großen Haibecken bestehen zu können, umfasst die Intention des Preises. Er ist Ursprung einer persönlichen Überzeugung und soll dem Autor oder der Autorin ein bisschen Wind in die Segel pusten.

Inzwischen ist mit allen Preisträgern eine kleine Galerie zu füllen. Beim Überblicken der Autorennahmen und Buchtitel fallen einige Kleinigkeiten auf: es sind mehr Autorinnen als Autoren, es dominieren die Anfangsbuchstaben J und T.

Die Preisträger :

2003 Katja Oskamp : Halbschwimmer
2004 Juli Zeh : Spieltrieb
2005 Tilmann Rammstedt: Wir bleiben in der Nähe
2006 Thomas Weiss : Folgendes
2007 Julia Franck : Die Mittagsfrau
2008 Thomas Pletzinger : Bestattung eines Hundes
2009 Julia Schoch : Mit der Geschwindigkeit des Sommers
2010 Judith Zander : Dinge, die wir heute sagten
2011 Judith Schalansky : Der Hals der Giraffe
2012 Jenny Erpenbeck : Aller Tage Abend
2013 Marion Poschmann : Die Sonnenposition
2014 Lutz Seiler : Kruso
2015 Katerina Poladjan : Vielleicht Marseille
2016 Nell Zink : Der Mauerläufer
2017 Simon Strauß : Sieben Nächte